Alarmierende Polio-Impflücken: STIKO warnt vor mangelndem Schutz bei Kleinkindern
Der Schutz vor Infektionskrankheiten gehört zu den zentralen Säulen der präventiven Gesundheitsvorsorge. Doch gerade bei einer der gefährlichsten Kinderkrankheiten der Medizingeschichte klaffen in Deutschland erhebliche Lücken: Die Ständige Impfkommission (STIKO) schlägt Alarm und warnt vor einem unzureichenden Impfschutz gegen das Poliovirus bei Vorschulkindern.
Bis zu 40 Prozent der Kinder regional ungeschützt
Nach aktuellen Einschätzungen der Experten sind in bestimmten Regionen Deutschlands bis zu 40 Prozent der Drei- und Vierjährigen nicht ausreichend gegen Kinderlähmung immunisiert. Sollte der hochansteckende Erreger wieder vermehrt eingeschleppt werden, könnte dies für ungeimpfte oder unvollständig geimpfte Kinder schwerwiegende Folgen haben.
Laut der STIKO liegt das Hauptproblem meist nicht an einer generellen Skepsis gegenüber Impfungen, sondern an versäumten oder verzögerten Folgeterminen. Viele Eltern versäumen es unbemerkt, die nachfolgenden Teilimpfungen der Grundimmunisierung im empfohlenen Zeitfenster durchführen zu lassen.
Das Risiko der Kinderlähmung
Poliomyelitis, umgangssprachlich als Kinderlähmung bezeichnet, ist eine durch Viren ausgelöste Infektionskrankheit. Sie befällt das zentrale Nervensystem und kann innerhalb kürzester Zeit zu dauerhaften Lähmungen, Behinderungen oder im schlimmsten Fall zum Tod durch Atemlähmung führen. Da es keine ursächliche antivirale Therapie gibt, bietet allein die rechtzeitige Impfung einen verlässlichen Schutz.
Impfkalender: Zeitgerechte Grundimmunisierung entscheidend
Die STIKO empfiehlt für Säuglinge standardmäßig eine Grundimmunisierung mittels einer Sechsfach-Impfung, die neben Polio auch gegen Tetanus, Diphtherie, Keuchhusten (Pertussis), Haemophilus influenzae Typ b und Hepatitis B schützt. Um einen vollständigen und langfristigen Schutz aufzubauen, sind drei Impfstoffdosen in festgelegten zeitlichen Abständen erforderlich:
- 1. Dosis: im Alter von 2 Monaten
- 2. Dosis: im Alter von 4 Monaten
- 3. Dosis: im Alter von 11 Monaten
Wird dieser Rhythmus verzögert, bleiben Kinder über Monate hinweg vulnerabel. Kinderärzte und Gesundheitsexperten raten Eltern daher dringend dazu, das gelbe Untersuchungsheft und den Impfpass regelmäßig kontrollieren zu lassen und verpasste Dosen zeitnah bei den regulären Vorsorgeuntersuchungen (U-Untersuchungen) nachzuholen.
Gemeinschaftsschutz in Kitas und Pflegefamilien
Ein lückenhafter Impfstatus birgt nicht nur ein individuelles Risiko für das Kind selbst, sondern gefährdet auch vulnerable Gruppen im sozialen Umfeld. Dazu zählen Neugeborene, chronisch kranke Kinder oder Personen mit geschwächtem Immunsystem, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Eine hohe Durchimpfungsrate in Kitas, Schulen und im familiären Pflegeumfeld ist daher unerlässlich, um das Wiederauftreten der Kinderlähmung dauerhaft zu verhindern.
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