Alarmierende Versorgungslücke: Zu wenig Plätze in deutschen Kinderhospizen

Benedikt Hübenthal
Kinderhospize in Deutschland: Massive Versorgungslücke bei Pflegeplätzen

In Deutschland leben derzeit mindestens 100.000 Kinder und Jugendliche mit lebensverkürzenden Erkrankungen, die voraussichtlich nicht das Erwachsenenalter erreichen werden. Für die betroffenen Familien bedeutet dies nicht nur eine immense emotionale Belastung, sondern auch eine rund um die Uhr andauernde häusliche Intensivpflege. Um diese Herkulesaufgabe bewältigen zu können, steht den Familien gesetzlich eine jährliche Entlastungspflege zu. Doch die Realität in der stationären Versorgung sieht düster aus.

Widersprüchliche Einschätzungen zur Versorgungslage

Aktuell sorgt eine Debatte zwischen den Institutionen der Kinderhospizarbeit für Aufsehen. Während der Bundesverband Kinderhospiz derzeit mit der bundesweiten Aufklärungskampagne "Kinder-Lebens-Lauf" auf das Thema aufmerksam macht, sorgten jüngste Aussagen seiner Geschäftsführerin Franziska Kopitzsch in einem SWR-Interview für Irritationen. Dort sprach sie von einer "ausreichenden" Abdeckung an stationären Kinderhospizen in Deutschland.

Dieser Darstellung widersprechen die Deutschen Kinderhospiz Dienste nun vehement. Sie warnen vor einer massiven Unterversorgung, die die Lebensqualität der ohnehin schwerstbelasteten Familien drastisch mindert.

Die dramatischen Zahlen im Überblick

Ein Blick auf die nackten Zahlen und eine valide Studie der Humboldt-Universität zu Berlin untermauern die Kritik der Deutschen Kinderhospiz Dienste. Die Kapazitäten reichen bei Weitem nicht aus, um den gesetzlichen Anspruch der Familien zu erfüllen:

  • Gesetzlicher Anspruch: Jede betroffene Familie hat Anspruch auf zunächst vier Wochen Entlastungspflege pro Jahr in einem stationären Kinderhospiz.
  • Benötigte Kapazitäten: Bei 100.000 betroffenen Kindern ergibt sich daraus ein bundesweiter Bedarf von 400.000 Belegwochen jährlich.
  • Tatsächliches Angebot: Deutschlandweit gibt es derzeit nur 24 Kinderhospize, die durchschnittlich zehn Plätze anbieten. Selbst bei einer durchgehenden, hundertprozentigen Auslastung ergibt dies lediglich 12.480 mögliche Belegwochen.
  • Versorgungsgrad: Die vorhandenen Plätze decken somit gerade einmal 6,24 Prozent des tatsächlichen Bedarfs ab.

Folgen für die Familien und geplante Lösungsansätze

Die Konsequenz dieser eklatanten Lücke: Zahlreiche Familien müssen die hochkomplexe häusliche Intensivpflege ohne die dringend benötigte und gesetzlich verankerte Auszeit leisten. Ohne die kinderhospizliche Entlastung geraten viele Eltern an den Rand ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit.

Um dieser signifikanten Unterversorgung zumindest regional entgegenzuwirken, kündigten die Deutschen Kinderhospiz Dienste an, eigene Kapazitäten zu schaffen. In Frankfurt am Main ist der Bau des ersten eigenen stationären Kinder- und Jugendhospizes der Organisation geplant. Ein wichtiger Schritt – doch bis zu einer flächendeckenden und bedarfsgerechten Versorgung für alle schwerstkranken Kinder in Deutschland bleibt es noch ein langer Weg.

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