Notfallreform im Bundestag: Große Einigkeit im Ziel, scharfe Kritik an Details

Dominik Hübenthal
Notfallreform im Bundestag: Experten fordern Nachbesserungen

Überfüllte Notaufnahmen, überlastete Rettungsdienste und lange Wartezeiten für Hilfesuchende: Dass die Akut- und Notfallversorgung in Deutschland grundlegend reformiert werden muss, steht für alle Beteiligten außer Frage. Bei der öffentlichen Anhörung im Gesundheitsausschuss des Bundestags zeigten sich Sachverständige, Ärzteverbände und Klinikvertreter im Grundsatz einig über die Notwendigkeit des Gesetzesvorhabens. Doch bei den konkreten Umsetzungsplänen sehen die Experten noch erheblichen Nachbesserungsbedarf.

Das Kernkonzept: Bessere Steuerung und Integrierte Notfallzentren

Im Zentrum der Regierungspläne steht eine gezieltere Steuerung der Patientinnen und Patienten. Um zu verhindern, dass leichtere Beschwerden die Notaufnahmen der Krankenhäuser blockieren, sollen bundesweit rund 750 Integrierte Notfallzentren (INZ) aufgebaut werden. Diese Zentren verbinden die klassische Krankenhaus-Notaufnahme mit dem vertragsärztlichen Notdienst an einem gemeinsamen Tresen.

Ergänzt wird das Konzept durch:

  • Eine standardisierte Ersteinschätzung: Hilfesuchende sollen digital oder vor Ort direkt in die passende Versorgungsebene geleitet werden – ambulant in eine Praxis oder stationär in die Klinik.
  • Vernetzung der Notrufnummern: Die Rufnummer des ärztlichen Bereitschaftsdienstes 116 117 und der Rettungsnotruf 112 sollen eng digital verknüpft werden.
  • Bedarfsgerechte Zuweisung: Notfälle erhalten schnellstmögliche Hilfe, während Routinefälle strukturiert in den Praxisalltag überführt werden.

Ärzte und Kliniken warnen vor Doppelstrukturen und Unterfinanzierung

Trotz des breiten Grundkonsenses sparten die Verbände in der parlamentarischen Anhörung nicht mit deutlicher Kritik. Insbesondere die Kassenärztliche Bundesvereinigung sowie die Deutsche Krankenhausgesellschaft warnten vor zusätzlichen bürokratischen Hürden und ungedeckten Kosten.

Kritisiert wird unter anderem, dass neue Parallelstrukturen aufgebaut werden könnten, statt bestehende Praxis- und Bereitschaftsdienstnetze sinnvoll zu stärken. Auch Ärzteverbände wie der Marburger Bund äußerten Bedenken: Sie mahnten an, dass die Verteilung und Ausgestaltung der Integrierten Notfallzentren sich streng am tatsächlichen medizinischen Versorgungsbedarf vor Ort orientieren müsse und nicht allein an fiskalischen Vorgaben.

Ausblick für das Gesundheitssystem

Die parlamentarischen Beratungen gehen nun in die entscheidende Phase. Für Pflegekräfte und das medizinische Personal in Kliniken und Rettungsdiensten bleibt die Hoffnung groß, dass der Gesetzgeber die Hinweise aus der Praxis aufgreift. Eine funktionierende Patientensteuerung könnte spürbare Entlastung im oft überlasteten Arbeitsalltag bringen und gewährleisten, dass kritische Notfälle ohne Verzögerung die notwendige intensivmedizinische Aufmerksamkeit erhalten.

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