AOK schlägt Alarm: Kostenexplosion durch Blankorezepte in der Physiotherapie
Die Ausgaben für therapeutische Behandlungen wie Physiotherapie, Ergotherapie und Logopädie steigen rasant an. Der AOK-Bundesverband schlägt nun Alarm und übt scharfe Kritik an den sogenannten Blankoverordnungen. Bei der Vorstellung des Heilmittel-Reports 2026 warnte die AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann vor einer unkontrollierten Kostenexplosion und forderte klare Mengenbegrenzungen zum Schutz der Beitragszahler.
Was bedeutet die Blankoverordnung für Patienten?
Seit einiger Zeit haben Ärzte die Möglichkeit, im Heilmittelbereich Blankoverordnungen auszustellen. Das bedeutet: Der Arzt stellt lediglich die Diagnose, während die Therapeuten eigenverantwortlich über die genaue Art der Behandlung, die Häufigkeit und die Dauer entscheiden. Was ursprünglich als sinnvoller Schritt zur Stärkung der Therapeuten und zur Entbürokratisierung gedacht war, entwickelt sich laut aktuellen Kassendaten jedoch zu einem enormen Kostentreiber im Gesundheitssystem.
Milliarden-Ausgaben ohne nachweisbaren Qualitätsgewinn
Die Zahlen des aktuellen Berichts des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) sprechen eine deutliche Sprache. Im Jahr 2025 beliefen sich die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung für Heilmittel-Therapien auf rund 14,7 Milliarden Euro – ein massiver Anstieg im Vergleich zu den 13,3 Milliarden Euro im Vorjahr. Innerhalb eines Jahrzehnts haben sich die Kosten in diesem Bereich damit mehr als verdoppelt.
Laut dem AOK-Bundesverband zeigen erste Auswertungen der Blankoverordnungen, dass die neue Freiheit in der Praxis noch nicht optimal funktioniere. Die Patienten erhalten demnach keine grundlegend besseren Therapien, sondern werden schlichtweg häufiger und mit teureren Maßnahmen behandelt. Carola Reimann betonte, dass es zwar grundsätzlich richtig sei, Therapeuten mehr Verantwortung zu übertragen, dies aber zwingend mit einem verantwortungsvollen Umgang der Ressourcen einhergehen müsse.
Keine Ausweitung ohne wissenschaftliche Evidenz
Bevor das System der Blankoverordnungen auf weitere Diagnosen ausgeweitet wird, fordert die AOK handfeste Beweise für den tatsächlichen Nutzen. Eine Ausweitung sei erst dann gerechtfertigt, wenn folgende Kriterien messbar erfüllt sind:
- Gesicherte Erkenntnisse über bessere Heilungschancen (Outcomes) für die Patienten
- Ein nachweislich geringeres Risiko für chronische Beschwerden
- Klare und messbare Effizienzgewinne im Behandlungsablauf
Kurzfristige Maßnahmen gefordert
Um die Wirtschaftlichkeit der gesetzlichen Krankenversicherung zu gewährleisten und Versorgungsengpässe für reguläre Patienten ohne Blankorezept zu verhindern, fordert die AOK nun kurzfristige Mengenbegrenzungen. Es dürfe nicht passieren, dass die neue Therapiefreiheit vereinzelt als Instrument zur Einnahmeoptimierung missverstanden wird, während Belege für den gesundheitlichen Mehrwert fehlen. Der Fokus müsse laut den Experten wieder verstärkt auf einer qualitativ hochwertigen und gleichzeitig wirtschaftlich vertretbaren Patientenversorgung liegen.
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