Apotheken fordern Schlüsselrolle in der Primärversorgung
Das deutsche Gesundheitssystem steht unter enormem Druck. Chronische Erkrankungen nehmen zu, Arzttermine sind rar und Lieferengpässe bei Medikamenten gehören vielerorts zum Alltag. Zum diesjährigen Tag der Apotheke bringt die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) daher einen weitreichenden Vorschlag in die politische Debatte ein: Apothekerinnen und Apotheker sollen künftig eine zentrale Rolle in der sogenannten Primärversorgung übernehmen.
Warum das Gesundheitssystem neue Wege braucht
Der demografische Wandel und die angespannte Finanzlage der Krankenkassen erfordern ein rasches Umdenken bei der Patientenversorgung. Immer mehr ältere Menschen benötigen eine intensive und kontinuierliche Betreuung. Laut Angaben der ABDA nehmen über 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger über 70 Jahren regelmäßig mehr als drei verschiedene Arzneimittel ein. Gleichzeitig beobachten Gesundheitsexperten eine sinkende allgemeine Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung. Diese Kombination führt unweigerlich zu einer Überlastung der klassischen Arztpraxen.
Die Apotheke als erste Anlaufstelle
Um diese wachsenden Herausforderungen zu meistern, fordern die Apothekerverbände, dass Apotheken als primäre und niedrigschwellige Anlaufstelle im Gesundheitssystem fest etabliert werden. In einem eigens veröffentlichten Positionspapier wird skizziert, wie Patienten bei häufigen, leichteren Gesundheitsproblemen direkt in der Apotheke behandelt, umfassend beraten und bei schwereren Symptomen gezielt an Fachärzte weiterverwiesen werden könnten.
Die Vorteile einer solchen Umstrukturierung liegen für die Branchenvertreter auf der Hand:
- Flächendeckende Präsenz: Apotheken sind wohnortnah und völlig ohne Terminvereinbarung erreichbar.
- Hohes Vertrauen: Das pharmazeutische Personal genießt in der Bevölkerung ein enormes Vertrauen und ist hochqualifiziert.
- Rund-um-die-Uhr-Versorgung: Durch flächendeckende Not- und Nachtdienste ist eine durchgehende Erreichbarkeit für die Patienten gewährleistet.
Mehr Befugnisse durch das neue Apothekenreformgesetz
Bereits jetzt zeichnet sich ein gewisser Wandel im Berufsbild ab. Mit dem geplanten Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sollen Apotheken in den kommenden Jahren ohnehin erweiterte Aufgaben übernehmen. Dazu zählen unter anderem präventive Beratungen, Messungen von gesundheitlichen Risikofaktoren sowie ein deutlich tiefergehendes Medikationsmanagement bei komplexen Dauermedikationen. Den Vertretern der Apothekerschaft geht dies jedoch noch nicht weit genug. Sie betonen, dass eine echte Integration in die Primärversorgung weit über diese vereinzelten pharmazeutischen Dienstleistungen hinausgehen müsse.
Schulterschluss mit den Hausärzten
Dabei wird stets unterstrichen, dass Apotheken nicht in Konkurrenz zur Ärzteschaft treten wollen. Vielmehr steht eine enge und partnerschaftliche Zusammenarbeit im Fokus. Durch eine gezielte Aufgabenteilung und Vorabklärung in der Apotheke könnten überlastete Hausarztpraxen – insbesondere in ländlichen Regionen – spürbar entlastet werden. Moderne digitale Angebote und eine nahtlos vernetzte elektronische Patientenakte sollen diesen interdisziplinären Austausch künftig erleichtern und die Versorgungssicherheit für alle Bürgerinnen und Bürger nachhaltig erhöhen.
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