Ärzte schlagen Alarm: Ambulante Versorgung droht der Kollaps
Die ambulante Patientenversorgung in Deutschland steht massiv unter Druck. Mit einem eindringlichen Appell wendet sich nun die Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz (KV RLP) an die Öffentlichkeit und die Politik. In einer einstimmig verabschiedeten Resolution fordern die Mediziner ein sofortiges Umdenken, um den drohenden Zusammenbruch der flächendeckenden Arztpraxen abzuwenden.
Scharfe Kritik an aktuellen Gesundheitsreformen
Die Delegierten nehmen kein Blatt vor den Mund: Sie lehnen die aktuellen Gesetzesvorhaben des Bundes strikt ab und bezeichnen diese kritisch als "Patientenversorgungsverschlechterungsgesetz". Im Kern der Kritik steht die tiefe Sorge, dass die medizinische Betreuung vor Ort durch immer neue Sparmaßnahmen, Vorgaben und Bürokratie massiv gefährdet wird.
Um die ambulante Versorgung als wichtigstes Rückgrat des deutschen Gesundheitssystems zu erhalten, seien laut der Kassenärztlichen Vereinigung verlässliche, leistungsgerechte und stabile Vergütungsstrukturen zwingend erforderlich. Ein zentraler Punkt der Forderungen ist zudem die Finanzierung: Versicherungsfremde Leistungen müssten künftig konsequent aus Steuermitteln bezahlt werden, anstatt diese Kosten einseitig den Beitragszahlern der gesetzlichen Krankenversicherungen aufzubürden.
Patientensteuerung gehört in ärztliche Hände
Ein weiterer großer Streitpunkt ist die geplante Lenkung von Patienten im Gesundheitssystem. Die Ärztevertreter sprechen sich vehement gegen einen obligatorischen digitalen Versorgungseinstieg aus, der maßgeblich von den Krankenkassen gesteuert wird. Stattdessen müsse die primärärztliche Steuerung – also die klassische Führung durch den Haus- oder Facharzt des Vertrauens – im Mittelpunkt der Behandlung stehen.
Für die Umstrukturierung der Notfall- und Akutversorgung stellt die Kassenärztliche Vereinigung klare Bedingungen auf:
- Bewährte Systeme nutzen: Wo eine digitale Steuerung sinnvoll und notwendig ist, sollen die bereits etablierten Systeme der Kassenärztlichen Vereinigungen über die Rufnummer 116117 zum Einsatz kommen.
- Keine Doppelstrukturen: Den Aufbau von zusätzlichen Notfallstrukturen während der regulären Praxisöffnungszeiten – wie etwa rund um die Uhr verfügbare Fahrdienste oder permanente Videosprechstunden – lehnen die Delegierten ab. Dies sei weder medizinisch erforderlich noch personell oder finanziell umsetzbar.
Kein ärztlicher Ersatz durch Apotheken
Die Kassenärzte positionieren sich in ihrer Resolution zudem deutlich gegen Bestrebungen, originär ärztliche Leistungen zunehmend durch Apotheken erbringen zu lassen. Die medizinische Diagnostik und Therapie müsse zwingend in der Hand von umfassend qualifizierten Ärztinnen und Ärzten bleiben. Gleichzeitig fordern die Mediziner, dass der Staat einen deutlich stärkeren Fokus auf präventive Maßnahmen legen müsse, um Krankheiten bereits im Vorfeld zu verhindern.
Klare Worte zur finanziellen Realität
Die Botschaft der Ärzteschaft an die Gesundheitspolitik ist unmissverständlich und zeigt die Dramatik der aktuellen Lage. Die Delegierten fassen die Situation mit deutlichen Worten zusammen: Gekürzte Einnahmen und streng gedeckelte Budgets würden zwangsläufig zu schmerzhaften Kürzungen der medizinischen Leistungsangebote führen. Wer den Patientinnen und Patienten unter diesen schwierigen Bedingungen weiterhin ein unbegrenztes Leistungsversprechen mache, der sage nicht die Wahrheit.
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