Ärztepräsident fordert: Tabak- und Alkoholsteuern direkt in Gesundheit und Pflege investieren

Dominik Hübenthal
BÄK-Forderung: Tabak- und Alkoholsteuer für die Pflege nutzen

Die Forderungen nach einer grundlegenden Finanzreform im deutschen Gesundheitswesen werden lauter. Angesichts explodierender Kosten und einer drohenden Milliardenlücke bei den Krankenkassen drängt die Bundesärztekammer (BÄK) auf einen drastischen Kurswechsel. Im Fokus stehen dabei die Einnahmen aus der Tabak- und Alkoholsteuer: Diese sollen künftig nicht mehr im allgemeinen Bundeshaushalt versickern, sondern gezielt für die Gesundheitsversorgung und Präventionsmaßnahmen eingesetzt werden.

Zweckbindung statt Haushaltsloch

BÄK-Präsident Klaus Reinhardt machte deutlich, dass neue oder erhöhte Steuern auf gesundheitsschädliche Genussmittel zwingend mit einer Zweckbindung versehen werden müssten. Die Logik dahinter ist simpel, aber weitreichend: Wer durch den Konsum von Alkohol und Tabak das Risiko für chronische und pflegeintensive Krankheiten erhöht, soll über die Steuerabgaben direkt zur Finanzierung des Gesundheitssystems beitragen.

Bislang fließen diese Steuermilliarden in den allgemeinen Topf des Bundesfinanzministeriums und werden für unterschiedlichste staatliche Ausgaben genutzt. Geht es nach der Bundesärztekammer, muss dieses Geld künftig unmittelbar in die Prävention fließen. Denn nur so ließe sich das System mittel- und langfristig vor dem Kollaps bewahren.

Prävention als Schlüssel zur Entlastung der Pflege

Für den Pflege- und Gesundheitssektor ist dieser Vorstoß von enormer Bedeutung. Lebensstilbedingte Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, schwere Atemwegserkrankungen oder Leberschäden führen häufig zu einer frühzeitigen Pflegebedürftigkeit. Laut Reinhardt verhindere jeder Euro, der heute in wirksame Prävention investiert werde, morgen vermeidbare Krankheitslasten und die damit verbundenen enormen Kosten.

Eine konsequente Präventionspolitik schützt demnach nicht nur die Lebensqualität der Bürger, sondern entlastet auch das chronisch überlastete Pflegepersonal und die Krankenhäuser. Die Forderung wird auch von den gesetzlichen Krankenkassen unterstützt, die für das kommende Jahr ein Defizit in zweistelliger Milliardenhöhe befürchten.

Zuckersteuer und ganzheitliche Suchtpolitik im Fokus

Neben Tabak und Alkohol steht auch der übermäßige Zuckerkonsum zunehmend in der Kritik. Gemeinsam mit weiteren Gesundheitsverbänden und Kassenvertretern wird in der Politik bereits die Einführung einer Zuckersteuer auf stark gesüßte Getränke diskutiert. Gleichzeitig warnt die Ärzteschaft vor inkonsequenten politischen Entscheidungen: Maßnahmen wie die Teillegalisierung von Cannabis liefen einer ernsthaften Präventionsstrategie zuwider. Eine wirksame Suchtpolitik, so der Tenor, müsse legale wie illegale Drogen gleichermaßen und konsequent in den Blick nehmen.

Ob die Bundesregierung bereit ist, die lukrativen Steuereinnahmen aus dem allgemeinen Haushalt herauszulösen und dem Gesundheitssystem zweckgebunden zur Verfügung zu stellen, bleibt abzuwarten. Für die Akteure im Gesundheits- und Pflegebereich steht jedoch fest: Ein einfaches Weiter-so wird die finanziellen und personellen Ressourcen in naher Zukunft restlos erschöpfen.

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