Reanimationsregister alarmiert: 65.000 Wiederbelebungen im Notfall
Jeden Tag bricht für etwa 350 Menschen in Deutschland der Kreislauf unvermittelt zusammen – abseits von Intensivstationen und Kliniken, meist im häuslichen Umfeld oder im öffentlichen Raum. Bei rund 65.000 Betroffenen pro Jahr leiten die Rettungskräfte schließlich Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Dies geht aus dem aktuellen Jahresbericht des Deutschen Reanimationsregisters hervor, das unter der Trägerschaft der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin geführt wird.
Senioren und Männer besonders häufig betroffen
Die Auswertung verdeutlicht ein klares demografisches Muster: Gut zwei Drittel der betroffenen Personen sind Männer. Zudem ist mehr als die Hälfte der Patienten älter als 70 Jahre. Ein plötzlicher Herz-Kreislauf-Stillstand trifft damit überproportional häufig ältere Menschen, weshalb das Umfeld in der häuslichen Pflege und im familiären Alltag besonders sensibilisiert sein muss.
Die Überlebensrate nach einem Herzstillstand außerhalb des Krankenhauses verharrt seit Jahren auf einem unveränderten Niveau von rund elf Prozent. Ein Grund dafür liegt in der Zeit bis zum Beginn professioneller Hilfe. Der Rettungsdienst verfehlte erneut das bundesweit angestrebte Ziel, mindestens 80 Prozent der Notfälle innerhalb von acht Minuten nach der Alarmierung zu erreichen. Tatsächlich lag dieser Wert zuletzt bei nur rund 70 Prozent.
Laienreanimation wird zum entscheidenden Faktor
Umso wichtiger ist das Handeln von Ersthelfern vor Ort, bevor der Notarzt eintrifft. Das menschliche Gehirn nimmt bei Sauerstoffmangel bereits nach wenigen Minuten irreversible Schäden. Die Zahlen des Registers zeigen hier einen positiven Trend: In mehr als der Hälfte der Notfälle begannen anwesende Laien bereits vor Eintreffen der Rettungskräfte mit der Herzdruckmassage.
Häufig geschieht dies unter Anleitung der Rettungsleitstelle, deren Disponenten Anrufer am Telefon Schritt für Schritt durch die Wiederbelebung leiten. Zudem spielen alarmierte Ersthelfersysteme und ehrenamtliche First Responder eine wachsende Rolle; sie waren zuletzt an über zwölf Prozent der Einsätze beteiligt.
Prüfen, Rufen, Drücken: Worauf es im Ernstfall ankommt
Experten betonen, dass bei einem Herzstillstand die ersten Minuten über Leben und Tod entscheiden. Niemand kann bei einer Herzdruckmassage etwas falsch machen – außer, man tut gar nichts. Das Vorgehen folgt drei einfachen Schritten:
- Prüfen: Reagiert die Person nicht auf lautes Ansprechen und Schütteln an den Schultern? Fehlt eine normale Atmung?
- Rufen: Sofort die Notrufnummer 112 wählen oder Umstehende dazu auffordern, den Notruf abzusetzen.
- Drücken: Ohne Verzögerung fest und schnell in der Mitte des Brustkorbs drücken – etwa 100 bis 120 Mal pro Minute, mindestens 5 bis 6 Zentimeter tief, bis Hilfe eintrifft.
Um die Überlebenschancen nachhaltig zu verbessern, fordern Notfallmediziner den weiteren Ausbau von Ersthelfer-Apps sowie regelmäßige Auffrischungen von Wiederbelebungskursen in Schulen, Betrieben und Pflegeeinrichtungen.
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