Wenn ein geliebter Mensch die Diagnose einer unheilbaren, lebensverkürzenden Erkrankung erhält, steht die Welt für einen Moment still. Für Senioren und ihre Angehörigen beginnt in diesem Augenblick eine Phase, die von emotionaler Ausnahmesituation, vielen medizinischen Fragen und weitreichenden Entscheidungen geprägt ist. Eines der wichtigsten Anliegen in dieser Zeit ist es, dem betroffenen Familienmitglied ein Höchstmaß an Lebensqualität, Schmerzfreiheit und Würde zu bewahren. Genau hier setzen zwei zentrale Säulen unseres Gesundheitssystems an: die Palliativpflege und das Hospiz.
Häufig werden diese beiden Begriffe im allgemeinen Sprachgebrauch synonym verwendet. Doch obwohl sie dieselbe philosophische Grundhaltung teilen – nämlich den Menschen in seiner Ganzheitlichkeit am Lebensende zu begleiten –, gibt es gravierende Unterschiede in der medizinischen Zielsetzung, den strukturellen Voraussetzungen, der Finanzierung und dem Ort der Betreuung. Dieser umfassende Ratgeber richtet sich direkt an Sie als Angehörige. Er soll Ihnen als verlässlicher Kompass dienen, um die beste Betreuungsform für Ihre Liebsten zu finden, rechtliche Rahmenbedingungen zu verstehen und organisatorische Hürden sicher zu meistern.
Der Begriff "Palliativ" leitet sich vom lateinischen Wort pallium ab, was so viel wie "Mantel" bedeutet. Die Palliativpflege legt sich wie ein schützender Mantel um den Patienten. Ihr primäres Ziel ist nicht mehr die Heilung einer Krankheit (Kuration), sondern die bestmögliche Linderung von belastenden Symptomen wie Schmerzen, Atemnot, Übelkeit oder massiver Erschöpfung. Man spricht hierbei von Symptomkontrolle.
Ein entscheidender Punkt, der oft missverstanden wird: Palliativpflege kann und sollte oft schon sehr früh beginnen. Sie muss nicht erst in den allerletzten Lebenstagen ansetzen. Tatsächlich wird die Palliativmedizin häufig parallel zu lebensverlängernden Maßnahmen (wie beispielsweise einer milden Chemotherapie) eingesetzt. Sie zielt darauf ab, die Lebensqualität so lange wie möglich auf einem hohen Niveau zu halten. Dabei steht ein multiprofessionelles Team im Zentrum der Versorgung. Dieses Team besteht nicht nur aus Ärzten und Pflegekräften, sondern umfasst auch Psychologen, Physiotherapeuten, Sozialarbeiter und Seelsorger. Die Palliativpflege betrachtet den Menschen ganzheitlich: Sie lindert körperliche Schmerzen, fängt psychische Ängste auf, bietet spirituellen Beistand und unterstützt bei sozialen oder finanziellen Sorgen.
Palliativpflege bietet Sicherheit und Geborgenheit im eigenen Zuhause
Das Wort "Hospiz" stammt vom lateinischen hospitium (Herberge oder Gastfreundschaft). Ein Hospiz ist weniger eine medizinische Behandlungsform im klassischen Sinne, sondern vielmehr eine Einrichtung und eine Haltung. Ein Hospiz tritt dann in das Leben eines Patienten, wenn alle heilenden und lebensverlängernden Maßnahmen abgeschlossen oder vom Patienten nicht mehr gewünscht sind. Die Lebenszeit ist auf absehbare Zeit begrenzt – Ärzte sprechen in der Regel von einer Lebenserwartung von wenigen Wochen bis zu wenigen Monaten.
In einem stationären Hospiz steht das Leben und Wohnen im Vordergrund, nicht der Krankenhauscharakter. Die Zimmer sind wohnlich eingerichtet, Angehörige können oft rund um die Uhr zu Besuch kommen oder sogar im Zimmer übernachten. Der Tagesablauf richtet sich ausschließlich nach den Wünschen und dem Rhythmus des schwerstkranken Bewohners. Es gibt keine starren Weckzeiten oder Visitenpläne. Die medizinische Versorgung ist durch kooperierende Ärzte (oft Palliativmediziner) gesichert, jedoch liegt der Fokus der täglichen Arbeit auf der liebevollen, pflegerischen und psychosozialen Begleitung durch speziell ausgebildete Hospiz-Pflegekräfte und ehrenamtliche Helfer.
Um die richtige Entscheidung für Ihren Angehörigen zu treffen, ist es essenziell, die genauen Trennlinien zwischen den beiden Konzepten zu kennen. Hier sind die fünf wichtigsten Unterschiede detailliert aufgeschlüsselt:
Der Zeitpunkt des Beginns: Die Palliativpflege kann bereits Monate oder sogar Jahre vor dem Lebensende beginnen, oft direkt nach der Diagnose einer unheilbaren Krankheit. Ein Hospiz wird erst dann relevant, wenn der Sterbeprozess absehbar in naher Zukunft liegt und lebensverlängernde Therapien beendet wurden.
Die medizinische Zielsetzung: In der Palliativmedizin können durchaus noch Therapien stattfinden, die den Krankheitsverlauf verlangsamen (z. B. palliative Bestrahlung zur Schmerzlinderung). Im Hospiz liegt der Fokus zu 100 Prozent auf der Linderung von Beschwerden (Palliative Care); es finden keine Eingriffe mehr statt, die das Leben künstlich verlängern sollen.
Der Ort der Betreuung: Palliativpflege ist hochflexibel. Sie findet im häuslichen Umfeld, im Pflegeheim oder auf einer speziellen Palliativstation im Krankenhaus statt. Ein stationäres Hospiz ist hingegen eine eigenständige, vom Krankenhaus unabhängige Wohn- und Pflegeeinrichtung. (Hinweis: Es gibt auch ambulante Hospizdienste, die nach Hause kommen, diese leisten jedoch primär psychosoziale Begleitung und keine medizinische Pflege).
Die ärztliche Präsenz: Auf einer Palliativstation im Krankenhaus sind Ärzte rund um die Uhr vor Ort. In einem stationären Hospiz übernehmen spezialisierte Pflegekräfte die Hauptarbeit; der Hausarzt oder ein Palliativarzt kommt "nur" auf Abruf oder zu regelmäßigen Visiten vorbei.
Die Einbindung der Angehörigen: Beide Formen unterstützen Angehörige stark. Hospize haben jedoch oft noch weitreichendere Angebote für die Trauerbegleitung nach dem Versterben des Patienten, da dies ein zentraler Bestandteil der Hospizarbeit ist.
Ein stationäres Hospiz bietet eine familiäre und ruhige Atmosphäre
Die ambulante Palliativversorgung ermöglicht den Verbleib in den eigenen vier Wänden
Die meisten Senioren haben den tiefen Wunsch, ihre letzte Lebensphase in den eigenen vier Wänden zu verbringen. Die ambulante Palliativversorgung macht dies in vielen Fällen möglich. Das deutsche Gesundheitssystem unterscheidet hierbei zwischen zwei Stufen der Versorgung:
1. Die Allgemeine Ambulante Palliativversorgung (AAPV)
Die AAPV greift bei Patienten, die an einer fortschreitenden, lebensbegrenzenden Erkrankung leiden, deren Symptomatik aber noch mit regulären Mitteln beherrschbar ist. Die Versorgung wird vom regulären Hausarzt gesteuert, der eng mit einem ambulanten Pflegedienst zusammenarbeitet. Wenn Sie für Ihren Angehörigen bereits eine 24-Stunden-Pflege über Agenturen wie PflegeHelfer24 organisiert haben, kann diese Betreuungskraft die Grundpflege übernehmen, während der Hausarzt und ein regulärer Pflegedienst die medizinische AAPV-Komponente abdecken.
2. Die Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung (SAPV)
Wenn die Schmerzen, die Atemnot oder andere Symptome so komplex und schwerwiegend werden, dass der normale Hausarzt an seine Grenzen stößt, kommt die SAPV zum Einsatz. Dies ist eine hochspezialisierte Form der Betreuung durch sogenannte Palliative-Care-Teams (PCT). Diese Teams bestehen aus speziell weitergebildeten Palliativmedizinern und Palliativpflegefachkräften. Sie sind mit einer 24-Stunden-Rufbereitschaft ausgestattet. Das bedeutet: Wenn Ihr Angehöriger nachts eine akute Schmerzkrise erleidet, kommt sofort ein Palliativarzt oder eine Fachkraft zu Ihnen nach Hause. Die SAPV verhindert so ungewollte und oft belastende Krankenhauseinweisungen am Lebensende. Der Anspruch auf SAPV ist gesetzlich in § 37b SGB V verankert.
Nicht immer ist eine Pflege zu Hause bis zum Schluss möglich. Wenn die medizinische oder pflegerische Belastung zu groß wird, stehen stationäre Optionen zur Verfügung.
Die Palliativstation im Krankenhaus
Eine Palliativstation ist eine spezialisierte Abteilung innerhalb eines Krankenhauses. Sie ist nicht darauf ausgelegt, dass Patienten dort ihre letzten Monate verbringen. Das Ziel einer Palliativstation ist die Krisenintervention. Wenn ein Patient zu Hause unerträgliche Schmerzen hat, wird er auf die Palliativstation aufgenommen. Dort stellen die Ärzte die Schmerzmittel (oft über spezielle Pumpensysteme) neu ein. Sobald sich der Zustand stabilisiert hat, ist das Ziel die Entlassung – entweder zurück nach Hause (mit SAPV-Unterstützung), in ein Pflegeheim oder in ein stationäres Hospiz. Die durchschnittliche Verweildauer auf einer Palliativstation beträgt etwa 10 bis 14 Tage.
Das stationäre Hospiz
Ein stationäres Hospiz ist das letzte Zuhause des Patienten. Es ist eine kleine, familiäre Einrichtung (meist mit nur 8 bis 16 Betten). Hier gibt es keine lebensverlängernden Apparate, keine hektischen Notfälle auf dem Flur. Die Zimmer sind liebevoll gestaltet, oft mit Zugang zu einem Garten. Im Hospiz steht die Lebensqualität der verbleibenden Tage im Mittelpunkt. Es darf gekocht werden, was der Patient sich wünscht, auch wenn es medizinisch nicht mehr "sinnvoll" erscheint. Haustiere dürfen oft zu Besuch kommen. Hier wird der Tod als natürlicher Teil des Lebens akzeptiert und in Würde begleitet.
Stationäre Hospize legen großen Wert auf eine entspannte und naturnahe Umgebung
Die Organisation von Palliativ- oder Hospizversorgung kann in der emotional belastenden Situation überfordernd wirken. Hier ist ein klarer Leitfaden, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie die Beantragung abläuft.
Voraussetzungen für ein stationäres Hospiz:
Der Patient leidet an einer fortschreitenden Erkrankung, bei der eine Heilung ausgeschlossen ist.
Die Lebenserwartung ist auf Tage, Wochen oder wenige Monate begrenzt.
Eine Krankenhausbehandlung ist nicht mehr erforderlich (da keine Kuration mehr stattfindet).
Die Pflege zu Hause oder in einem regulären Pflegeheim ist nicht mehr ausreichend oder nicht möglich.
Ein Arzt (Hausarzt oder Krankenhausarzt) muss die Notwendigkeit der Hospizpflege bescheinigen (meist über ein spezielles Gutachten zur Feststellung der Hospizbedürftigkeit).
Voraussetzungen für die SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung):
Es liegt eine nicht heilbare, fortschreitende und fortgeschrittene Erkrankung vor.
Die Lebenserwartung ist begrenzt.
Es besteht ein besonders aufwendiger Versorgungsbedarf (z. B. komplexe Schmerztherapie, Wundversorgung bei Tumoren, starke Atemnot).
Die Verordnung erfolgt durch den Haus- oder Facharzt auf dem sogenannten Muster 63.
Checkliste für Angehörige: Die ersten Schritte
Offenes Gespräch: Sprechen Sie mit dem behandelnden Hausarzt oder Onkologen über die Prognose und äußern Sie den Wunsch nach palliativer Unterstützung.
Verordnung einholen: Lassen Sie sich die SAPV oder die Notwendigkeit eines Hospizplatzes ärztlich bescheinigen.
Einrichtungen kontaktieren: Hospizplätze sind oft rar. Nehmen Sie frühzeitig Kontakt zu stationären Hospizen in Ihrer Nähe auf, um den Patienten auf die Warteliste setzen zu lassen.
Krankenkasse informieren: Reichen Sie die ärztlichen Verordnungen umgehend bei der gesetzlichen oder privaten Kranken- und Pflegekasse ein. Bei akuten Fällen gibt es beschleunigte Bewilligungsverfahren (Eilanträge).
Beratung nutzen: Nutzen Sie die kostenlose Pflegeberatung. Experten können Ihnen helfen, den Dschungel der Anträge zu durchschauen.
Eine der größten Sorgen von Angehörigen betrifft die Kosten. Die gute Nachricht: Das deutsche Gesetzgeber hat hier in den letzten Jahren deutliche Verbesserungen geschaffen, um Familien am Lebensende nicht auch noch finanziell zu ruinieren.
Kosten für das stationäre Hospiz
Für den Patienten ist der Aufenthalt in einem stationären Hospiz komplett kostenfrei. Seit dem Hospiz- und Palliativgesetz (HPG) von 2015 übernehmen die gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen 95 Prozent der bedarfsgerechten Kosten. Die verbleibenden 5 Prozent muss das Hospiz selbst über Spenden finanzieren. Das bedeutet für Sie: Es gibt keinen Eigenanteil für Pflege, Unterkunft oder Verpflegung.
Wichtig zu wissen: Wenn Ihr Angehöriger in ein stationäres Hospiz einzieht, ruht in der Regel der Anspruch auf das bisherige Pflegegeld aus der Pflegeversicherung, da die Pflegekasse ihren Anteil direkt an das Hospiz zahlt.
Kosten für die Palliativstation im Krankenhaus
Da es sich hierbei um einen regulären Krankenhausaufenthalt handelt, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die vollen Kosten. Es fällt lediglich die gesetzliche Zuzahlung von 10 Euro pro Tag an (für maximal 28 Tage im Kalenderjahr), sofern der Patient nicht von Zuzahlungen befreit ist.
Kosten für die SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung)
Auch die SAPV ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 37b SGB V. Wenn sie ärztlich verordnet und von der Kasse genehmigt ist, werden die Kosten für das Palliative-Care-Team zu 100 Prozent übernommen. Auch hier fallen für den Patienten keine Kosten an.
Für detaillierte, rechtlich bindende Informationen zu den aktuellen Gesetzen und Rahmenbedingungen der Hospiz- und Palliativversorgung empfiehlt sich ein Blick auf die offiziellen Seiten der Bundesregierung. Weitere Informationen finden Sie beim Bundesministerium für Gesundheit.
Viele Familien entscheiden sich dafür, den geliebten Menschen bis zum Schluss zu Hause zu betreuen. Die SAPV deckt dabei die medizinische Spitzenversorgung ab, aber wer übernimmt die tägliche Grundpflege, das Kochen, die Körperhygiene und ist einfach da, wenn die Angehörigen arbeiten müssen oder nachts Erschöpfung eintritt?
Hier spielt die 24-Stunden-Pflege (Betreuung in häuslicher Gemeinschaft) eine elementare Rolle. Eine liebevolle Betreuungskraft, die im Haushalt lebt, kann die perfekte Ergänzung zu den ambulanten Palliativteams sein. Sie übernimmt keine medizinischen Tätigkeiten (wie Spritzen geben), aber sie leistet die so wichtige menschliche Nähe, reicht Essen an, hilft bei der Lagerung im Bett und ruft im Notfall sofort das SAPV-Team oder den Angehörigen an.
Um die Pflege zu Hause in dieser letzten Phase sicher und würdevoll zu gestalten, sind zudem die richtigen Hilfsmittel unerlässlich. PflegeHelfer24 berät Sie gerne zu den Möglichkeiten, das Zuhause kurzfristig anzupassen. Dazu gehören:
Das Pflegebett: Ein elektrisch verstellbares Pflegebett ist zwingend notwendig, um den Patienten schmerzfrei zu lagern und der Pflegekraft (oder Ihnen) ein rückenschonendes Arbeiten zu ermöglichen.
Der Hausnotruf: Ein Hausnotruf gibt Sicherheit, wenn der Patient für kurze Zeit allein im Zimmer ist. Ein Knopfdruck genügt, um Hilfe zu rufen.
Sitzhilfen und Lifter: Ein Badewannenlift oder Duschstuhl kann helfen, die Körperpflege so lange wie möglich angenehm und sicher zu gestalten, ohne dem geschwächten Körper zu viel abzuverlangen.
Rollstühle: Ein angepasster Pflegerollstuhl oder Elektrorollstuhl ermöglicht es dem Patienten, an guten Tagen noch einmal den Garten oder Balkon zu besuchen, selbst wenn die eigene Kraft zum Laufen nicht mehr ausreicht.
Ein Pflegebett erleichtert die schmerzfreie Lagerung erheblich
Ein Thema, das in der Palliativ- und Hospizversorgung unweigerlich auf den Tisch kommt, ist die rechtliche Absicherung des Patientenwillens. Wenn ein Mensch in die letzte Lebensphase eintritt, kann es passieren, dass er durch Medikamente oder den Krankheitsverlauf seine Wünsche nicht mehr selbst äußern kann. Umso wichtiger ist es, frühzeitig Vorsorge zu treffen.
Die Patientenverfügung
In einer Patientenverfügung legt der Betroffene im Vorfeld schriftlich fest, welche medizinischen Maßnahmen er in bestimmten Situationen wünscht oder strikt ablehnt. Soll bei einem Herzstillstand im Endstadium der Krebserkrankung noch reanimiert werden? Wird eine künstliche Ernährung über eine Magensonde (PEG) gewünscht, wenn das natürliche Schlucken nicht mehr funktioniert? Palliativmediziner und Hospizmitarbeiter richten sich strikt nach dieser Verfügung. Sie entlastet zudem Sie als Angehörige massiv, da Sie in kritischen Momenten keine Entscheidung über Leben und Tod treffen müssen, sondern lediglich den dokumentierten Willen Ihres Liebsten umsetzen.
Die Vorsorgevollmacht
Die Patientenverfügung regelt das "Was", die Vorsorgevollmacht regelt das "Wer". Mit einer Vorsorgevollmacht bestimmt der Patient eine Person seines absoluten Vertrauens (meist den Ehepartner oder die Kinder), die in seinem Namen Entscheidungen treffen darf, wenn er selbst nicht mehr einwilligungsfähig ist. Dies umfasst medizinische Entscheidungen, aber auch finanzielle Angelegenheiten (wie die Kündigung der Wohnung beim Umzug ins Hospiz) oder Behördengänge. Achtung: Ohne eine solche Vollmacht dürfen selbst Ehepartner nicht automatisch füreinander entscheiden; im schlimmsten Fall muss ein Gericht einen rechtlichen Betreuer bestellen.
Die Begleitung eines sterbenden Menschen ist eine der schwersten Aufgaben, die das Leben bereithält. Angehörige fokussieren sich in dieser Zeit oft zu 100 Prozent auf den Kranken und vergessen dabei völlig ihre eigenen physischen und psychischen Grenzen. Die Erschöpfung, die Angst vor dem drohenden Verlust und die ständige Alarmbereitschaft führen nicht selten zu einem Burnout der Pflegenden.
Sowohl die Palliativpflege als auch das Hospizwesen haben dieses Problem erkannt. Palliative Care richtet sich ausdrücklich nicht nur an den Patienten, sondern an das gesamte Familiensystem. Nutzen Sie die angebotenen Hilfen:
Psychoonkologische Beratung: Viele SAPV-Teams und Palliativstationen haben Psychologen im Team, die speziell für die Begleitung von Menschen in existenziellen Krisen ausgebildet sind. Zögern Sie nicht, diese Gespräche auch für sich selbst in Anspruch zu nehmen.
Ambulante Hospizdienste: Ehrenamtliche Hospizbegleiter kommen nach Hause, um am Bett des Kranken zu sitzen. Sie übernehmen keine Pflege, sondern lesen vor, halten die Hand oder sind einfach nur präsent. Diese Zeit gibt Ihnen als Angehörigem die Möglichkeit, das Haus für zwei Stunden zu verlassen, spazieren zu gehen, in Ruhe einzukaufen oder einfach einmal ungestört durchzuatmen.
Trauerbegleitung: Die Begleitung endet nicht mit dem Tod des Patienten. Hospize bieten in der Regel Trauercafés, Einzelgespräche oder geleitete Trauergruppen an, um den Hinterbliebenen bei der Bewältigung des Verlustes zu helfen.
Psychologische Unterstützung hilft Angehörigen in dieser schweren Zeit
Rund um das Thema Lebensende kursieren viele Ängste und Falschinformationen. Als Experten möchten wir die gängigsten Mythen aufklären, um Ihnen die Angst vor diesen wichtigen Versorgungsformen zu nehmen.
Mythos 1: "Palliativmedizin bedeutet, dass man sofort stirbt."
Falsch. Palliativmedizin bedeutet, dass die Lebensqualität im Fokus steht. Viele Patienten erhalten über Monate oder Jahre palliative Unterstützung. Manche Patienten erholen sich durch die exzellente Symptomkontrolle sogar so weit, dass sie vorübergehend keine palliative Intensivbetreuung mehr benötigen.
Mythos 2: "Im Hospiz wird man verhungern gelassen."
Ein weit verbreiteter und sehr schmerzhafter Irrtum. Am Lebensende stellt der Körper seine Funktionen langsam ein. Das Bedürfnis nach Nahrung und Flüssigkeit nimmt natürlicherweise ab. Der Stoffwechsel kann künstliche Ernährung oft gar nicht mehr verarbeiten; Infusionen würden zu schmerzhaften Wassereinlagerungen (Ödemen) führen. Im Hospiz wird niemandem Nahrung verweigert. Wenn der Patient Appetit auf ein Eis, einen Schluck Bier oder ein Stück Schokolade hat, bekommt er dies. Die Pflegekräfte betreiben eine sorgfältige Mundpflege, um das Durstgefühl zu stillen. Es ist ein natürliches Begleiten des Sterbeprozesses, kein "Verhungern lassen".
Mythos 3: "Morphium beschleunigt den Tod."
Die moderne Palliativmedizin setzt starke Schmerzmittel wie Opiate (Morphium) ein, um Schmerzen und Atemnot zu lindern. Fachgerecht dosiert, beschleunigen diese Medikamente den Tod nicht. Im Gegenteil: Durch die Befreiung von unerträglichen Schmerzen und der panischen Angst bei Atemnot entspannt sich der Körper. Oftmals verlängert diese gewonnene Ruhe die verbleibende Lebenszeit sogar um wertvolle Tage, die für Abschiedsgespräche genutzt werden können.
Die Wahl zwischen ambulanter Palliativversorgung, Palliativstation oder Hospiz hängt von vielen individuellen Faktoren ab. Diese Fragen helfen Ihnen bei der Orientierung:
Wie ist der medizinische Zustand? Stehen akute, schwer beherrschbare Schmerzen im Vordergrund? Dann ist vorübergehend eine Palliativstation der richtige Ort.
Was wünscht der Patient? Möchte Ihr Angehöriger unbedingt zu Hause bleiben? Dann sollten Sie ein SAPV-Team kontaktieren und prüfen, ob eine 24-Stunden-Pflegekraft zur Unterstützung infrage kommt.
Wie ist Ihre eigene Belastungsgrenze? Sind Sie als Angehöriger körperlich oder seelisch am Ende Ihrer Kräfte? Ist eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung zu Hause nicht mehr leistbar? Dann ist die Anmeldung in einem stationären Hospiz ein liebevoller und verantwortungsbewusster Schritt. Es ist kein Abschieben, sondern die Übergabe der Pflege in professionelle Hände, damit Sie wieder "nur" Tochter, Sohn oder Ehepartner sein können.
Wie ist die Wohnsituation? Ist das Haus barrierefrei? Ist Platz für ein Pflegebett und Hilfsmittel vorhanden? Wenn die räumlichen Gegebenheiten eine würdevolle Pflege zu Hause unmöglich machen, ist ein Hospiz die bessere Wahl.
Sichern Sie sich monatlich kostenlose Pflegehilfsmittel wie Desinfektionsmittel, Einmalhandschuhe und Bettschutzeinlagen. Die Pflegekasse übernimmt die Kosten.
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Die Auseinandersetzung mit der Endlichkeit des Lebens ist schmerzhaft. Doch das Wissen um die hervorragenden Unterstützungssysteme in Deutschland kann Ihnen viel Angst nehmen. Hier sind die Kernpunkte, die Sie sich merken sollten:
Palliativpflege konzentriert sich auf die Linderung von Symptomen und den Erhalt der Lebensqualität. Sie kann frühzeitig im Krankheitsverlauf beginnen und findet oft zu Hause (durch AAPV oder SAPV) oder im Krankenhaus statt.
Ein Hospiz begleitet Menschen in der allerletzten Lebensphase, wenn keine kurativen Therapien mehr stattfinden. Es bietet einen geschützten, wohnlichen Rahmen, in dem das würdevolle Leben bis zuletzt im Mittelpunkt steht.
Die Kosten für ein stationäres Hospiz sowie für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV) werden in Deutschland in der Regel vollständig von den Kranken- und Pflegekassen übernommen. Für den Patienten entstehen keine Eigenanteile.
Die Pflege zu Hause kann durch eine Kombination aus SAPV-Team, ambulanten Pflegediensten, einer 24-Stunden-Pflegekraft und den richtigen Hilfsmitteln (wie einem Pflegebett oder Hausnotruf) oft bis zuletzt sichergestellt werden.
Kümmern Sie sich frühzeitig um rechtliche Dokumente wie die Patientenverfügung und die Vorsorgevollmacht.
Vergessen Sie sich selbst nicht: Nehmen Sie psychologische Unterstützung und die Hilfe ambulanter Hospizdienste an, um Kraft für diese schwere Zeit zu schöpfen.
Egal, für welchen Weg Sie sich gemeinsam mit Ihrem Angehörigen entscheiden: Sie sind nicht allein. Die Experten der Palliativ- und Hospizversorgung sowie professionelle Pflegeberater stehen Ihnen zur Seite, um sicherzustellen, dass die letzte Phase des Lebens mit Würde, Respekt und maximalem Komfort gestaltet wird.
Wichtige Antworten auf einen Blick