Ärzteverband kämpft für den Erhalt der telefonischen Krankschreibung
Die Debatte um die Zukunft der Krankschreibung per Telefon spitzt sich zu. Während die Politik im Rahmen neuer Reformpläne eine Abschaffung der Regelung fordert, schlägt die Ärzteschaft Alarm. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) setzt sich nun mit Nachdruck dafür ein, die telefonische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (Telefon-AU) dauerhaft beizubehalten.
Ärzte warnen vor dem Praxis-Kollaps
In einem eindringlichen Schreiben an das Bundesgesundheitsministerium sowie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales macht die KBV ihren Standpunkt deutlich. Laut dem Ärzteverband habe sich das Instrument in den vergangenen Jahren in der medizinischen Praxis hervorragend bewährt. Eine Abschaffung würde nach Einschätzung der Mediziner fatale Folgen für die ohnehin stark belasteten Haus- und Facharztpraxen in Deutschland haben.
Die drohenden Konsequenzen im Überblick:
- Überfüllte Wartezimmer: Die Ärzteschaft rechnet mit bis zu 30 Millionen zusätzlichen und oft völlig unnötigen Praxisbesuchen pro Jahr.
- Erhöhtes Infektionsrisiko: Patienten mit leichten, aber hochansteckenden Atemwegserkrankungen müssten sich wieder zu anderen, teils vulnerablen Menschen ins Wartezimmer setzen.
- Bürokratie-Wahnsinn: Mediziner müssten schätzungsweise über 200.000 zusätzliche Arbeitstage allein für das Ausstellen von Formularen und Attesten aufwenden.
Ein Rückschritt für das Gesundheitssystem?
Hintergrund der hitzigen Diskussion ist das Vorhaben der Regierungskoalition, im Zuge eines neuen Reformpakets die Telefon-AU abzuschaffen und stattdessen eine Attestpflicht ab dem ersten Krankheitstag einzuführen. Kritiker aus der Politik und der Wirtschaft hatten zuvor bemängelt, die bequeme Krankschreibung von zu Hause aus sei ein wesentlicher Treiber für den historisch hohen Krankenstand in Deutschland.
Diesen Vorwurf weisen Ärztevertreter jedoch entschieden zurück. Studien und Erhebungen der Krankenkassen sowie ärztlicher Institute belegen, dass die telefonische Krankschreibung nicht die Hauptursache für die hohen Fehlzeiten ist. Vielmehr entlaste sie das Gesundheitssystem an den entscheidenden Stellen. Die KBV fordert die Politik daher auf, auf die Expertise der Ärzteschaft zu vertrauen und den Patienten nicht mit einem Generalverdacht zu begegnen.
Wie geht es nun weiter?
Ob die Bundesregierung angesichts der massiven Kritik an ihren Plänen festhält, bleibt abzuwarten. Aufgrund des starken Widerstands aus der medizinischen Praxis und drohender Versorgungsengpässe mehren sich jedoch die Stimmen, die ein Einlenken fordern. Für Millionen Arbeitnehmer und Tausende Arztpraxen wäre der Erhalt der Telefon-AU ein wichtiges Signal für eine moderne, unbürokratische und patientenorientierte Gesundheitsversorgung.
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