Arzttermine: Große Mehrheit befürwortet Vergabe nach Dringlichkeit

Benedikt Hübenthal
Arzttermine nach Dringlichkeit: Breite Zustimmung in Bevölkerung

Wer dringend medizinische Hilfe benötigt, sollte nicht monatelang auf einen Facharzttermin warten müssen. Was für viele Patienten wie eine Selbstverständlichkeit klingt, ist in der Praxis oft von Wartezeiten und dem Prinzip „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“ geprägt. Eine deutliche Mehrheit der Bevölkerung wünscht sich hierbei jedoch ein klares Umdenken: Arzttermine sollen künftig viel stärker nach der tatsächlichen medizinischen Notwendigkeit vergeben werden.

Große Einigkeit über Priorisierung

Nach Ergebnissen einer aktuellen YouGov-Umfrage im Auftrag der Siemens-Betriebskrankenkasse (SBK) halten rund 87 Prozent der Befragten eine Zuteilung von Terminen nach Dringlichkeit für sinnvoll. Die Akzeptanz für ein System, das akute Beschwerden gegenüber Routine- oder Kontrollterminen vorzieht, ist damit überaus hoch.

Hintergrund der Erhebung sind die aktuellen politischen Debatten und Reformvorhaben zur besseren Patientensteuerung. Das deutsche Gesundheitssystem steht vor der Herausforderung, vorhandene Kapazitäten in Praxen und Kliniken effizienter zu nutzen und Überlastungen abzubauen.

Patientensteuerung und digitale Lösungen

Um eine verlässliche Einstufung der Dringlichkeit zu ermöglichen, wird verstärkt über digitale Instrumente und strukturierte Erstkontaktstellen diskutiert. Zu den zentralen Lösungsansätzen gehören:

  • Digitale Ersteinschätzung: Standardisierte Fragen bei der Online-Terminbuchung oder telefonischen Anmeldung sollen helfen, den Behandlungsbedarf objektiv zu bewerten.
  • Zentrale Vermittlung: Ausbau von Anlaufstellen wie der Terminservicestelle (116117), um Akutfälle schneller in die passende Facharztpraxis zu leiten.
  • Bessere Vernetzung: Hausärztinnen und Hausärzte sollen als primäre Lotsen im Gesundheitssystem gestärkt werden, um Überweisungen gezielt zu steuern.

Herausforderungen für Pflegebedürftige und chronisch Kranke

Gerade für ältere Menschen, Pflegebedürftige und Personen mit chronischen Erkrankungen ist der rechtzeitige Zugang zu fachärztlicher Versorgung entscheidend. Ein System, das Dringlichkeit über bürokratische Hürden stellt, könnte gefährliche Verzögerungen bei akuten Verschlechterungen des Gesundheitszustands verhindern.

Gleichzeitig betonen Experten, dass auch planbare Kontrolluntersuchungen nicht ins Hintertreffen geraten dürfen. Eine ausgewogene Balance zwischen Akutversorgung und kontinuierlicher Betreuung bleibt für Praxen und Patienten gleichermaßen die größte Herausforderung der anstehenden Reformen.

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