Aufatmen für MS-Patienten: AOK übernimmt Mehrkosten für wichtiges Medikament
Gute Nachrichten für an Multiple Sklerose (MS) erkrankte Menschen: Die AOK-Gemeinschaft hat beschlossen, die anfallenden Mehrkosten für das wichtige MS-Medikament mit dem Wirkstoff Fampridin, bekannt unter dem Handelsnamen Fampyra, vorläufig zu übernehmen. Damit reagiert die Krankenkasse auf eine brisante Marktsituation, die Betroffene andernfalls teuer zu stehen gekommen wäre.
Patentstreit löste Kostenfalle aus
Hintergrund der plötzlichen Mehrkosten ist ein juristischer Erfolg des Originalherstellers Merz Therapeutics. In einem Patentstreit konnte sich das Unternehmen durchsetzen, was zur Folge hatte, dass sämtliche Generika-Hersteller ihre wirkstoffgleichen, aber günstigeren Nachahmerpräparate umgehend vom Markt nehmen mussten. Patienten, die auf den Wirkstoff zur Verbesserung ihrer Gehfähigkeit angewiesen sind, können seither nur noch mit dem teureren Originalpräparat versorgt werden.
Das Problem: Der Preis für das Original übersteigt den sogenannten Festbetrag, den die gesetzlichen Krankenkassen standardmäßig erstatten, deutlich. Ohne das Eingreifen der Krankenkassen hätten Versicherte derzeit über 72 Euro pro Packung aus eigener Tasche zahlen müssen – zuzüglich der regulären gesetzlichen Zuzahlung.
AOK übernimmt Kosten unbürokratisch
Um diese finanzielle Belastung von den Versicherten abzuwenden, springt nun die AOK ein. Wie der AOK-Bundesverband mitteilt, gilt ab sofort eine Ausnahmeregelung für alle betroffenen Versicherten:
- Direkte Abrechnung: Apotheken können die Mehrkosten für das Präparat direkt mit der Krankenkasse abrechnen.
- Keine Vorkasse: Für die Patienten entsteht kein zusätzlicher Aufwand, sie müssen nicht in Vorleistung treten.
- Befristung: Die Regelung gilt vorerst bis zum 31. Juli 2026. Sollten vorher wieder günstigere Generika auf dem Markt verfügbar sein, erlischt die Ausnahmeregelung entsprechend früher.
Kritik an der Pharmaindustrie
Trotz der schnellen Lösung für die Patienten übt die Krankenkasse deutliche Kritik am Vorgehen der Pharmaindustrie. Laut der Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbandes, Dr. Carola Reimann, dürfe es nicht sein, dass Patentstreitigkeiten auf dem Rücken der Patienten und zu Lasten der Versorgungssicherheit ausgetragen werden. Die AOK fordert daher nachdrücklich, dass rechtliche Auseinandersetzungen zwischen Herstellern die kontinuierliche und bezahlbare Versorgung von chronisch Kranken nicht gefährden dürfen.
Wofür wird Fampridin eingesetzt?
Der Wirkstoff Fampridin wird speziell bei erwachsenen Patienten mit Multipler Sklerose verschrieben. Er zielt darauf ab, die Reizweiterleitung in den geschädigten Nervenbahnen zu verbessern. Für viele Betroffene bedeutet dies eine spürbare Verbesserung der Gehfähigkeit und somit ein essenzielles Stück Lebensqualität im Alltag.
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