Darmkrebsvorsorge ab 75: Ist die Kontroll-Darmspiegelung wirklich noch nötig?

Benedikt Hübenthal
Darmkrebsvorsorge ab 75 Jahren: Studie stellt Nutzen der Darmspiegelung infrage

Viele Senioren nehmen ihre medizinischen Vorsorgetermine sehr ernst. Besonders die Darmkrebsvorsorge gilt als essenziell, um bösartige Tumore frühzeitig zu erkennen. Doch für Menschen ab 75 Jahren, bei denen in der Vergangenheit bereits gutartige Vorstufen – sogenannte Adenome – entfernt wurden, stellt sich eine wichtige Frage: Ist die regelmäßige Kontroll-Darmspiegelung (Koloskopie) in diesem Alter wirklich noch sinnvoll? Eine umfassende neue Studie liefert darauf nun eine klare Antwort.

Das Risiko richtig einschätzen

Forschende um Dr. Samir Gupta vom VA San Diego Healthcare System haben in einer groß angelegten Untersuchung die Daten von über 90.000 älteren Erwachsenen ausgewertet. Die Ergebnisse zeigen deutlich: Das Risiko, im Alter von über 75 Jahren tatsächlich an Darmkrebs zu erkranken oder gar daran zu versterben, ist extrem gering – selbst dann, wenn bei früheren Untersuchungen Vorstufen entdeckt wurden.

Konkret lag die Wahrscheinlichkeit, innerhalb der nächsten zehn Jahre an Darmkrebs zu versterben, bei den Betroffenen bei lediglich rund 0,5 Prozent. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass der Nutzen einer weiteren Überwachungs-Koloskopie in dieser Altersgruppe oft stark überschätzt wird.

Andere Erkrankungen wiegen schwerer

Ein zentraler Aspekt der Studie ist das sogenannte konkurrierende Sterberisiko. Bei Menschen im fortgeschrittenen Alter treten häufig andere ernsthafte Begleiterkrankungen auf, etwa Herz-Kreislauf-Beschwerden, Atemwegserkrankungen oder neurologische Leiden. Die Wahrscheinlichkeit, an diesen anderen Ursachen zu versterben, ist um ein Vielfaches höher und lag je nach Gebrechlichkeitsgrad bei bis zu 82 Prozent.

Warum die Darmspiegelung im Alter belasten kann

Eine Darmspiegelung ist zwar ein Routineeingriff, aber für den Körper nicht völlig ohne Risiko. Besonders für hochbetagte Menschen bringt die Untersuchung spürbare Belastungen mit sich:

  • Die Vorbereitung: Das Trinken großer Mengen an Abführmitteln kann den Kreislauf und den Elektrolythaushalt älterer Menschen stark belasten.
  • Die Sedierung: Narkosen oder starke Beruhigungsmittel bergen im Alter ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Komplikationen oder Verwirrtheitszustände.
  • Verletzungsgefahr: Die Darmwand wird mit zunehmendem Alter dünner, was das Risiko für Verletzungen während des Eingriffs leicht erhöht.

Fokus auf das Wesentliche legen

Die Experten raten dazu, medizinische Prioritäten im Alter neu zu überdenken. Anstatt starr an Vorsorgeintervallen festzuhalten, sollten Ärzte und Patienten gemeinsam abwägen, ob eine erneute Darmspiegelung die Lebensqualität wirklich verbessert. Bei vielen Senioren ab 75 Jahren kann es sinnvoller sein, auf die belastende Untersuchung zu verzichten und den Fokus stattdessen auf die Behandlung akuterer gesundheitlicher Probleme zu legen.

Angehörige und Pflegekräfte sollten Senioren ermutigen, das offene Gespräch mit dem behandelnden Arzt zu suchen. Eine individuelle Risikoabwägung, die den allgemeinen Gesundheitszustand und die persönliche Lebensqualität in den Vordergrund stellt, ist hierbei stets der beste Weg.

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