Ambulante OPs: So müssen Kliniken jetzt umdenken
Der Trend in der deutschen Krankenhauslandschaft ist unverkennbar: Immer mehr medizinische Eingriffe werden ambulant durchgeführt. Patienten kommen am Morgen in die Klinik, werden operiert und können oft schon wenige Stunden später wieder den Heimweg antreten. Was für die Patienten mehr Komfort und eine Erholung in den eigenen vier Wänden bedeutet, stellt die Krankenhäuser jedoch vor gewaltige organisatorische Herausforderungen.
Experten fordern neue Arbeitsabläufe
Die voranschreitende Ambulantisierung erfordert ein radikales Umdenken in den etablierten Klinikstrukturen. Die herkömmlichen, auf stationäre Aufenthalte ausgerichteten Prozesse greifen bei ambulanten Patienten oft ins Leere und verursachen unnötige Verzögerungen. Fachleute aus der Praxis schlagen daher Alarm und fordern zügige Anpassungen.
Wie Diego Padilla Galvez, Facharzt für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin, sowie Peter Berlin, Geschäftsführer der Elisabeth-Krankenhaus Essen GmbH, betonen, ist eine Neugestaltung der Arbeitsabläufe unumgänglich, um die neuen Anforderungen bewältigen zu können. Es reicht nicht aus, ambulante Operationen einfach in den bestehenden stationären OP-Plan zu quetschen. Vielmehr brauche es spezialisierte Pfade, die exakt auf die Kurzzeitpatienten zugeschnitten sind.
Was bedeutet das für das Pflegepersonal?
Für die Pflegekräfte auf den Stationen und im Aufwachraum bringt diese Entwicklung spürbare Veränderungen mit sich. Einerseits sinkt durch den Wegfall von Übernachtungen der Pflegeaufwand in den Nachtschichten. Andererseits verdichtet sich die Arbeit am Tag enorm. Der schnelle Wechsel von Patienten erfordert ein Höchstmaß an Koordination und Flexibilität.
Um die Ambulantisierung erfolgreich in den Klinikalltag zu integrieren, müssen laut Expertenmeinung folgende Punkte adressiert werden:
- Räumliche Trennung: Die Schaffung eigener Bereiche für ambulante Patienten, um sie vom stationären Trubel abzuschirmen und Prozesse zu beschleunigen.
- Digitale Patientensteuerung: Ein nahtloses Termin- und Bettenmanagement, das Leerläufe minimiert und das Pflegepersonal entlastet.
- Interdisziplinäre Teams: Eine noch engere Abstimmung zwischen Chirurgie, Anästhesie und der Pflege, um reibungslose Übergaben zu garantieren.
- Gezielte Nachsorge-Konzepte: Sicherstellung, dass Patienten auch nach der Entlassung gut betreut sind, beispielsweise durch telemedizinische Nachfragen.
Ein Blick in die Zukunft
Die Ambulantisierung ist kein vorübergehendes Phänomen, sondern ein zentraler Baustein der modernen Gesundheitsversorgung. Krankenhäuser, die es schaffen, ihre Abläufe frühzeitig und mitarbeiterfreundlich umzugestalten, werden nicht nur wirtschaftlich profitieren. Sie schaffen auch ein Arbeitsumfeld, das Pflegekräfte vor Burnout schützt und die Patientenzufriedenheit nachhaltig steigert. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Bereitschaft, alte Muster aufzubrechen und den Krankenhausalltag völlig neu zu denken.
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