Demenz vor 65: Warum der Lebensstil oft entscheidender ist als die Gene

Djamal Sadaghiani
Frühe Demenz: Lebensstil wichtiger als Genetik | PflegeHelfer24

Die Diagnose Demenz ist in jedem Alter ein schwerer Schlag. Tritt sie jedoch bereits vor dem 65. Lebensjahr auf, vermuten Betroffene und Ärzte meist eine familiäre, genetische Veranlagung. Eine groß angelegte Untersuchung zeigt nun: Dieser Glaube ist oftmals ein Trugschluss. Tatsächlich spielt der eigene Lebensstil bei früher Demenz eine noch größere Rolle als bei Erkrankungen im hohen Alter.

Genetik ist nur selten die Hauptursache

Bislang ging man häufig davon aus, dass eine früh einsetzende Demenz ein unausweichliches Schicksal ist, das fest in den Genen geschrieben steht. Doch neuere Erkenntnisse, die in der renommierten Fachzeitschrift The Lancet Healthy Longevity veröffentlicht wurden, zeichnen ein völlig anderes Bild: Lediglich 10 bis 15 Prozent aller Demenzerkrankungen vor dem 65. Lebensjahr lassen sich eindeutig auf genetische Varianten zurückführen. Bei der überwältigenden Mehrheit der Betroffenen sind es sogenannte modifizierbare – also vom Patienten selbst beeinflussbare – Risikofaktoren, die den geistigen Verfall beschleunigen.

Der Lebensstil wiegt schwerer als bei Senioren

Wissenschaftler analysierten Daten aus mehreren großen Kohortenstudien und kamen zu einem überraschenden Ergebnis: Die altbekannten Risikofaktoren für Demenz wirken sich bei jüngeren Menschen teilweise noch drastischer aus als bei über 65-Jährigen. Das bedeutet im Umkehrschluss: Wer in jungen und mittleren Jahren auf seine körperliche und geistige Gesundheit achtet, kann sein Risiko für eine frühe Demenz massiv senken.

Die größten Risikofaktoren für den frühen Gedächtnisverlust

Laut der Auswertung kristallisieren sich mehrere gesundheitliche und soziale Aspekte heraus, die das Risiko für eine frühe Demenz drastisch erhöhen. Dazu zählen vor allem:

  • Depressionen: Eine unbehandelte Depression gilt als einer der stärksten Treiber und kann das Risiko für eine frühe Demenz mehr als verdoppeln.
  • Diabetes mellitus: Ein dauerhaft schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel schädigt die feinen Blutgefäße, was auch die Versorgung des Gehirns massiv beeinträchtigt.
  • Rauchen und Alkoholkonsum: Toxine aus Nikotin und übermäßigem Alkohol greifen die Nervenzellen direkt an und beschleunigen den geistigen Abbau.
  • Bewegungsmangel und Übergewicht: Ein inaktiver Lebensstil fördert chronische Entzündungsprozesse und Durchblutungsstörungen im gesamten Organismus.
  • Soziale Isolation und geringe Bildung: Ein Mangel an geistiger und sozialer Stimulation lässt das Gehirn schneller abbauen, da weniger kognitive Reserven aufgebaut werden.

Prävention: Jeder Schritt zählt

Für die medizinische Praxis, die Pflegeplanung und jeden Einzelnen sind diese Erkenntnisse bahnbrechend. Sie nehmen der frühen Demenz den Schrecken der absoluten Unvermeidbarkeit. Experten betonen, dass es nie zu früh – und selten zu spät – ist, um gesundheitlich gegenzusteuern.

Ein aktiver Alltag, die konsequente Behandlung von Volkskrankheiten wie Bluthochdruck und Diabetes sowie die Pflege sozialer Kontakte sind der beste Schutzschild für das Gehirn. Gerade für Menschen, die mitten im Leben stehen, ist diese Studie ein eindringlicher Weckruf: Die Weichen für ein gesundes Altern und den Erhalt der geistigen Fitness werden nicht erst im Rentenalter gestellt, sondern bereits Jahrzehnte zuvor.

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