Deutscher Apothekertag: Apotheken fordern größere Rolle in der Primärversorgung

Benedikt Hübenthal
Apotheken fordern mehr Aufgaben in der Gesundheitsversorgung

Die deutschen Vor-Ort-Apotheken stehen bereit, ihr Aufgabenspektrum spürbar zu erweitern und eine aktivere Rolle in der medizinischen Grundversorgung zu übernehmen. Anlässlich der Eröffnung des Deutschen Apothekertags betonte Thomas Preis, Präsident der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA), das immense Potenzial der Apothekerschaft für ein zukunftsfestes Gesundheitssystem. Die wohnortnahe Erreichbarkeit und das hohe Vertrauen der Bevölkerung bieten ideale Voraussetzungen, um Patienten noch gezielter und schneller zu betreuen.

Niedrigschwellige Unterstützung für Pflege und Alltag

Gerade für Pflegebedürftige, pflegende Angehörige und chronisch kranke Menschen sind wohnortnahe Apotheken unverzichtbare Anlaufstellen im Alltag. Neben der reinen Ausgabe von Arzneimitteln gewinnen pharmazeutische Dienstleistungen zunehmend an Bedeutung. Dazu zählen strukturierte Medikationsanalysen zur Vermeidung gefährlicher Wechselwirkungen, praxisnahe Schulungen zu Inhalationsgeräten sowie erweiterte Beratungsangebote zu chronischen Erkrankungen.

Die ABDA fordert daher, die Kompetenzen der pharmazeutischen Fachkräfte noch effektiver in den Versorgungsalltag einzubinden. Neue Leistungsangebote wie Screenings für Risikofaktoren von Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder standardisierte Präventionsberatungen können dazu beitragen, Hausarztpraxen spürbar zu entlasten und gesundheitliche Risiken frühzeitig zu erkennen.

Kritik an ausländischen Versandhändlern

Gleichzeitig warnte die Verbandsspitze vor Entwicklungen, die die flächendeckende Versorgung gefährden könnten. Besondere Sorge bereitet der Standesvertretung die Praxis ausländischer Arzneimittel-Versandhändler, die gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlungen für verschreibungspflichtige Medikamente erlassen oder damit werben. Diese Praxis untergrabe die beabsichtigte Steuerungsfunktion der Zuzahlungen und gefährde die wirtschaftliche Stabilität der wohnortnahen Präsenzapotheken, die insbesondere in Notdienstzeiten und bei dringendem Beratungsbedarf vor Ort unersetzlich sind.

Faire Rahmenbedingungen als Voraussetzung

Damit die Apotheken vor Ort zusätzliche Aufgaben zuverlässig und flächendeckend übernehmen können, verlangen die Berufsvertreter verlässliche finanzielle und rechtliche Rahmenbedingungen:

  • Angemessene Vergütung: Neue pharmazeutische Dienstleistungen und Beratungsangebote müssen kostendeckend und leistungsgerecht honoriert werden.
  • Bürokratieabbau: Vereinfachte Prozesse bei der Abgabe von Medikamenten erleichtern das schnelle Handeln bei Lieferengpässen.
  • Stärkung der Vor-Ort-Präsenz: Sicherung der wohnortnahen Infrastruktur, um auch im ländlichen Raum eine lückenlose Versorgung zu gewährleisten.

Mit den geforderten Weichenstellungen wollen die Apotheken ihre Funktion als verlässlicher Partner in der ambulanten Versorgung stärken – zum direkten Nutzen von Pflegebedürftigen und Patienten im gesamten Land.

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