DEVAP fordert Wende: Gute Pflege braucht echte Solidarität

Dominik Hübenthal
DEVAP mahnt Pflegereform an: Solidarität statt Sparkurs

Die langfristige Sicherung der pflegerischen Versorgung zählt zu den drängendsten sozialpolitischen Aufgaben in Deutschland. Angesichts steigender Eigenanteile, demografischer Veränderungen und spürbarer Personalengpässe schlägt der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege e.V. (DEVAP) deutliche Töne an. Der Verband mahnt, dass eine zukunftsfähige Pflegepolitik nicht länger auf kurzfristige Sparprogramme reduziert werden darf, sondern auf einem starken Fundament aus Solidarität und ganzheitlichen Konzepten aufbauen muss.

Finanzielle Entlastung und verlässliche Strukturen

Nach Einschätzung von Branchenexperten und Pflegeverbänden droht das bisherige System der sozialen Pflegeversicherung ohne tiefgreifende Reformen seine Schutzfunktion zu verlieren. Wenn die Kosten für einen Heimplatz oder ambulante Hilfen kontinuierlich steigen, wächst für Pflegebedürftige und deren Familien das Risiko von Armut und sozialer Not. Der DEVAP plädiert daher seit Längerem für grundlegende Anpassungen in der Finanzierungsarchitektur, wie etwa eine verlässliche Deckelung der pflegebedingten Eigenanteile.

Ein zentraler Kritikpunkt richtet sich gegen politische Ansätze, die primär auf Ausgabenbegrenzungen abzielen. Einsparungen, die letztlich zulasten von Pflegebedürftigen oder den Trägern von Pflegeeinrichtungen gehen, verschärfen die Situation in der Praxis zusätzlich. Eine nachhaltige Finanzierung müsse gewährleisten, dass sowohl stationäre Einrichtungen als auch ambulante Pflegedienste wirtschaftlich tragfähig arbeiten und tarifliche Löhne uneingeschränkt refinanziert werden können.

Ganzheitliche Versorgung über Sektorengrenzen hinweg

Gute Pflegepolitik erschöpft sich nicht in rein finanziellen Stellschrauben. Der Verband hebt hervor, dass die Versorgung der Zukunft stärker vernetzt gedacht werden muss. Zu den zentralen Handlungsfeldern gehören:

  • Stärkung der häuslichen Pflege: Pflegende Angehörige übernehmen den Großteil der Betreuung und benötigen unbürokratische Entlastungsangebote, verlässliche Beratung sowie finanzielle Absicherung.
  • Abbau von Barrieren zwischen den Sektoren: Eine engere Verzahnung von ambulanter, teilstationärer und vollstationärer Versorgung sorgt für passgenaue Hilfen im Lebensumfeld der Betroffenen.
  • Verantwortung der Kommunen: Der Ausbau altersgerechter Quartiere und präventiver Angebote vor Ort hilft dabei, Pflegebedürftigkeit frühzeitig zu begegnen oder hinauszuzögern.
  • Sicherung moderner Infrastruktur: Investitionen in Gebäude, moderne Wohnformen und Digitalisierung müssen bedarfsgerecht gefördert werden, ohne die Betroffenen finanziell zu überlasten.

Bessere Rahmenbedingungen für Pflegefachpersonen

Ein ganzheitlicher Ansatz muss zwingend auch das Pflegepersonal in den Mittelpunkt stellen. Gute Arbeitsbedingungen, Wertschätzung und angemessene Vergütung sind die Voraussetzung dafür, dass Fachkräfte im Beruf verbleiben und Nachwuchs gewonnen werden kann. Werden hingegen Mittel gekürzt oder Dokumentationspflichten weiter erhöht, droht sich die Personallage weiter zuzuspitzen.

Für eine nachhaltige Transformation fordern Fachverbände daher einen strukturierten Dialog zwischen Bund, Ländern, Kassen und Leistungserbringern. Ein gemeinsamer Fahrplan für die Langzeitpflege soll sicherstellen, dass pflegebedürftige Menschen in Würde altern können und das Solidarsystem für kommende Generationen stabil bleibt.

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