Durchbruch in der Organspende: Hightech-Verfahren rettet mehr Spendernieren

Benedikt Hübenthal
Maschinenperfusion bei Organspende: Neuer Standard rettet Nieren

Neue Ära in der deutschen Transplantationsmedizin

In der deutschen Transplantationsmedizin vollzieht sich ein grundlegender Wandel: Mit der flächendeckenden Einführung der sogenannten hypothermen Maschinenperfusion können deutlich mehr Spendernieren in hoher Qualität erhalten und transplantiert werden. Nach Angaben der Deutschen Stiftung Organtransplantation verläuft das bislang größte und logistisch aufwendigste Vorhaben in der Geschichte der Stiftung überaus erfolgreich. Für tausende Dialysepatientinnen und -patienten bedeutet dieses Verfahren neue Hoffnung auf ein lebensrettendes Organ.

Wie die Maschinenperfusion funktioniert

Traditionell wurden entnommene Nieren für den Transport schlicht in einer speziellen Nährlösung auf Eis gekühlt gelagert. Bei diesem statischen Verfahren drohen dem empfindlichen Gewebe jedoch Schäden durch den zeitweisen Sauerstoffmangel. Die hypotherme Maschinenperfusion setzt genau an dieser Schwachstelle an:

  • Kontinuierliche Durchspülung: Das Spenderorgan wird an ein computergesteuertes Perfusionsgerät angeschlossen, das die Niere während der gesamten Transportphase bei niedrigen Temperaturen ununterbrochen mit einer Schutzlösung umspült.
  • Bessere Überwachung: Medizinische Teams können Druck, Flussrate und Gefäßwiderstand in Echtzeit messen und so den funktionellen Zustand des Organs bereits vor dem Eingriff präzise beurteilen.
  • Geringere Gewebeschäden: Reperfusionsschäden nach dem Einsetzen in den Empfängerkörper werden spürbar vermindert, was das Risiko von anfänglichen Funktionsausfällen drastisch senkt.

Besondere Chance für ältere und vorerkrankte Spender

Besonders bedeutsam ist die Methode für Spenderorgane mit sogenannten erweiterten Spenderkriterien. Gemäß den Richtlinien der Bundesärztekammer betrifft dies Organe von Spenderinnen und Spendern ab 60 Jahren sowie Personen ab 50 Jahren mit Vorerkrankungen wie Bluthochdruck. Gerade solche Nieren reagieren empfindlich auf lange Transportzeiten. Durch die schonende maschinelle Versorgung können nun auch Organe erfolgreich transplantiert werden, die früher aus Sorge vor Komplikationen womöglich nicht angenommen worden wären.

Entlastung für Pflegekräfte und Patienten

In Deutschland entfällt rund die Hälfte aller Organtransplantationen auf Nieren. Dennoch müssen Betroffene oft viele Jahre an der Dialyse ausharren, was nicht nur den Körper schwächt, sondern auch den Pflegealltag intensiv prägt. Jeder erfolgreiche Eingriff schenkt Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität zurück und entlastet das Pflegesystem. Die erfolgreiche Etablierung der neuen Technologie gilt daher klinikweit als wegweisender Meilenstein.

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