Elektronische Patientenakte: Hoher Rückhalt trotz zurückhaltender Nutzung

Dominik Hübenthal
Elektronische Patientenakte: Große Mehrheit will ePA behalten

Die Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens schreitet voran, stößt im Alltag der Bürgerinnen und Bürger jedoch auf ein interessantes Phänomen: Während die aktive Nutzung der elektronischen Patientenakte (ePA) bislang noch verhalten ausfällt, genießt das digitale Angebot einen bemerkenswert breiten Rückhalt in der Bevölkerung.

Große Akzeptanz in der gesetzlichen Krankenversicherung

Nach aktuellen Erhebungen des Datenbarometers der Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit wollen bis zu neun von zehn gesetzlich Versicherten an ihrer elektronischen Patientenakte festhalten. Der Widerspruch gegen das System bleibt damit die absolute Ausnahme. Viele Menschen schätzen vor allem das Potenzial, im Ernstfall alle relevanten Gesundheitsdaten wie Medikationspläne, Befunde und Vorerkrankungen zentral gebündelt abrufbereit zu haben.

Warum die aktive Nutzung noch hinterherhinkt

Dass die ePA trotz der hohen Zustimmungswerte im Alltag bislang verhältnismäßig selten von den Versicherten selbst geöffnet oder aktiv verwaltet wird, hat verschiedene Ursachen:

  • Mangelnde Berührungspunkte im gesunden Alltag: Viele Menschen greifen erst dann auf Gesundheits-Apps zu, wenn akute Beschwerden oder chronische Krankheiten vorliegen.
  • Unkomplizierte Handhabung in Arztpraxen: Der Datenaustausch erfolgt zunehmend im Hintergrund zwischen behandelnden Ärzten, Krankenhäusern und Therapeuten, sodass Patientinnen und Patienten oft nicht zwingend selbst aktiv eingreifen müssen.
  • Hürden bei der Erstanmeldung: Sichere Identifikationsverfahren wie der Personalausweis mit PIN oder PIN-Briefe der Krankenkassen erfordern am Anfang etwas Geduld.

Vorteile für die Pflege und medizinische Versorgung

Gerade in der pflegerischen Betreuung und bei älteren Menschen, die oft mehrere Medikamente parallel einnehmen müssen, gilt die lückenlose digitale Dokumentation als großer Schritt nach vorn. Gefährliche Wechselwirkungen von Arzneimitteln können schneller erkannt und Doppeluntersuchungen vermieden werden. Auch wenn viele Seniorinnen und Senioren die Akte nicht täglich auf dem Smartphone aufrufen, profitieren pflegende Angehörige und Fachkräfte von den strukturierten Informationen.

Fazit und Ausblick

Die Akzeptanz der digitalen Patientenakte ist in Deutschland überraschend stabil. Die Herausforderung für die kommenden Monate liegt vor allem darin, den praktischen Nutzen für die Versicherten noch spürbarer zu machen und den Zugang zu den Apps der Krankenkassen so barrierearm und selbsterklärend wie möglich zu gestalten.

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