Elektronische Patientenakte unter Druck: Ärzteverband fordert grundlegende Nachbesserungen

Djamal Sadaghiani
Kritik an der ePA: Ärzte fordern Nachbesserungen bei Technik und Datenschutz

Die flächendeckende Digitalisierung im Gesundheitswesen sollte den Praxisalltag erleichtern, Behandlungsprozesse beschleunigen und die sektorenübergreifende Versorgung von Patienten verbessern. Rund ein Jahr nach der Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) fällt das Zwischenfazit aus der Praxis jedoch ernüchternd aus. Der fachübergreifende Ärzteverband MEDI GENO Deutschland äußert deutliche Kritik an den bisherigen Umsetzungen und warnt vor anhaltenden Fehlentwicklungen.

Hoher bürokratischer Aufwand statt spürbarer Entlastung

Ursprünglich als Meilenstein zur Entlastung von Medizinern und medizinischem Fachpersonal angekündigt, sorgt die ePA im Alltag vieler Einrichtungen nach wie vor für Mehraufwand. Technische Instabilitäten, unübersichtliche Benutzeroberflächen und Verzögerungen beim Datenabruf belasten die tägliche Arbeitsroutine erheblich. Statt wertvolle Zeit für die direkte Patientenbetreuung zu gewinnen, binden fehleranfällige Systeme weiterhin personelle Ressourcen im Praxis- und Pflegealltag.

Bedenken bei Datenschutz und ärztlicher Schweigepflicht

Neben den technischen Mängeln stehen vor allem rechtliche und ethische Aspekte im Zentrum der Kritik. Der Verband sieht wesentliche Fragen des Datenschutzes und der ärztlichen Schweigepflicht bislang nicht zufriedenstellend gelöst. Die Vertraulichkeit sensibler Gesundheitsdaten ist ein Grundpfeiler des Vertrauensverhältnisses zwischen Patienten und medizinischem Personal. Fehlende Transparenz oder unzureichende Kontrollmöglichkeiten über den Zugriff auf Daten gefährden dieses Vertrauen nachhaltig.

Bedeutung für die pflegerische Versorgung

Auch für den Pflegebereich birgt eine nicht ausgereifte Digitalinfrastruktur spürbare Hürden. Gerade an den Schnittstellen zwischen ambulanter Pflege, stationären Einrichtungen und Facharztpraxen ist ein reibungsloser, sicherer Datenaustausch unverzichtbar. Wenn Medikationspläne oder Diagnosen aufgrund technischer Barrieren nicht verlässlich abrufbar sind, führt dies zu Verzögerungen und erhöht das Risiko von Fehlern in der pflegerischen Versorgung.

Dringender Handlungsbedarf für die Politik

Um die Akzeptanz und den tatsächlichen Nutzen der elektronischen Patientenakte zu sichern, fordern Branchenvertreter von der Politik zügige Anpassungen. Dazu zählen unter anderem:

  • Praxisnahe Optimierung: Stabilere Schnittstellen und vereinfachte Bedienstrukturen für den täglichen Einsatz.
  • Klarer Datenschutz: Robuste Schutzmechanismen, die die ärztliche Schweigepflicht und Patientenrechte lückenlos wahren.
  • Schnittstellenintegration: Effiziente Einbindung von Pflegekräften und Therapeuten zur ganzheitlichen Versorgung.

Die Digitalisierung des Gesundheitswesens bleibt ein zentrales Zukunftsprojekt. Ihr Erfolg hängt jedoch maßgeblich davon ab, dass digitale Werkzeuge den Behandlungs- und Pflegealltag spürbar unterstützen und verlässliche Sicherheit für alle Beteiligten bieten.

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