Explodierende Medikamentenpreise: Krankenkassen fordern hartes Durchgreifen der Politik
Die gesetzlichen Krankenkassen blicken mit großer Sorge auf die rasante Kostenentwicklung im Gesundheitswesen. Besonders die Ausgaben für Medikamente bereiten den Verantwortlichen Kopfzerbrechen. Nun richtet der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) einen deutlichen Appell an die Bundespolitik, der Preisspirale nicht länger tatenlos zuzusehen.
Deutschland ist weltweit der zweitteuerste Markt für Medikamente
Die Situation ist ernst: Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands sind die Preise für Arzneimittel in Deutschland mittlerweile die höchsten weltweit, direkt hinter den USA. Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des GKV-Spitzenverbands, fand in einem aktuellen Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung deutliche Worte für die Lage. Er kritisierte scharf, dass die Politik bisher viel zu zaghaft agiert habe, wenn es darum ginge, diese enorme Kostenbelastung für das Solidarsystem zu bremsen.
Milliardenkosten belasten das Gesundheitssystem massiv
Die nackten Zahlen verdeutlichen das Ausmaß des Problems. Im vergangenen Jahr gaben die gesetzlichen Krankenkassen rund 58,5 Milliarden Euro allein für Arzneimittel aus. Damit stellen Medikamente mittlerweile den zweitgrößten Kostenblock im Gesundheitswesen dar – direkt nach den Krankenhauskosten und noch vor den Ausgaben für die ambulante ärztliche Versorgung. Besonders alarmierend ist die Dynamik bei neu zugelassenen Präparaten: Die Ausgaben für neue Medikamente haben sich laut dem GKV-Chef innerhalb von nur zwölf Jahren verdoppelt.
Hohe Preise sind kein Garant für heimische Produktion
Ein oft vorgebrachtes Argument der Pharmaindustrie ist, dass hohe Preise notwendig seien, um den Produktionsstandort Deutschland zu sichern und Abwanderungen ins Ausland zu verhindern. Dieser Argumentation erteilt Blatt eine klare Absage. Es sei ein Irrglaube, dass extreme Preise automatisch zu mehr heimischer Produktion führen würden. Schon heute lassen zahlreiche deutsche Pharmakonzerne einen Großteil ihrer Medikamente kostengünstig in Ländern wie China oder Indien herstellen. Noch höhere Preise im Inland würden demnach nicht zwangsläufig zu einer besseren und sichereren Versorgungslage für die Patienten führen.
Politik unter Zugzwang: Expertenkommission soll Lösungen liefern
Die unaufhaltsam scheinende Kostenexplosion setzt die Bundesregierung zunehmend unter Druck. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken hat bereits reagiert und eine Expertenkommission ins Leben gerufen. Dieses Gremium hat die Aufgabe, zeitnah konkrete Vorschläge zu erarbeiten, wie im Bereich der Gesundheitsversorgung effektiv Einsparungen erzielt werden können, ohne die Qualität der Patientenversorgung zu gefährden. Für die Beitragszahler bleibt zu hoffen, dass den Worten bald wirksame Taten folgen, um die finanzielle Stabilität der gesetzlichen Krankenversicherung auch in Zukunft zu sichern.
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