Facharzttermin in drei Wochen: SPD plant verbindliche Garantie für Kassenpatienten
Monatelanges Warten auf einen Termin beim Facharzt gehört für Millionen gesetzlich Versicherte in Deutschland zum belastenden Alltag. Vor allem für chronisch Kranke, ältere Menschen sowie Pflegebedürftige und deren pflegende Angehörige stellt die mühsame Terminsuche oft ein enormes Hindernis dar. Mit einem umfassenden Positionspapier zur Primärversorgung will die SPD-Bundestagsfraktion das System nun grundlegend reformieren und eine verbindliche Frist für Facharztkonsultationen etablieren.
Facharzttermin innerhalb von 21 Tagen
Kernstück des neuen Vorstoßes ist ein gesetzlicher Anspruch auf eine zügige Terminvermittlung. Grundsätzlich sollen gesetzlich Versicherte innerhalb von höchstens drei Wochen einen Termin bei der benötigten Facharztpraxis in zumutbarer Entfernung erhalten. Bei akuter medizinischer Dringlichkeit soll die Behandlung noch wesentlich schneller erfolgen; lediglich routinemäßige Kontrolltermine können nach dem Konzept länger warten.
Kann das System diesen Versorgungsanspruch im ambulanten Bereich nicht rechtzeitig erfüllen, greift laut dem Konzept eine Ausweichregelung: In diesem Fall sollen zugelassene Krankenhäuser mit entsprechenden Fachabteilungen verpflichtet werden, die ambulante Behandlung zu übernehmen. Geprüft werden soll zudem, ob die Kosten hierfür aus der Gesamtvergütung der niedergelassenen Ärzteschaft finanziert werden, was bereits für scharfe Proteste von Ärzteverbänden sorgt.
Hausärzte als Lotsen und Entlastung für Pflegebedürftige
Damit Patientinnen und Patienten schneller die passende Hilfe finden, setzt das Modell auf eine gezielte Steuerung durch das Gesundheitswesen. Hausarzt- und Kinderarztpraxen sollen zu gestärkten Primärversorgungspraxen ausgebaut werden und als zentrale Lotsen fungieren. Sie koordinieren Befunde, Überweisungen sowie Therapien und sollen unnötige Mehrfachuntersuchungen verhindern.
Ausgewählte fachärztliche Direktzugänge, etwa zur Augenheilkunde, Gynäkologie sowie zur psychotherapeutischen Sprechstunde, sollen jedoch ausdrücklich erhalten bleiben. Gleichzeitig erteilt das Konzept Strafgebühren oder Sanktionen für Patienten, die ohne Überweisung einen Facharzt aufsuchen, eine klare Absage.
Mehr Befugnisse für Pflegekräfte und Praxisteams
Ein wesentlicher Hebel zur Entlastung der medizinischen Versorgung liegt laut dem Konzeptpapier im Ausbau der Interprofessionalität. Nicht alle Aufgaben müssen zwingend von Ärztinnen und Ärzten persönlich übernommen werden:
- Erweiterte Kompetenzen für Pflegefachkräfte: Qualifizierte Pflegefachpersonen sowie spezialisierte Berufe wie Community Health Nurses sollen mehr eigenverantwortliche Versorgungsaufgaben im Praxisteam übernehmen.
- Digitale Ersteinschätzungsverfahren: Unabhängige digitale Tools und strukturierte Abfragen sollen Beschwerden vorab einstufen und Betroffene direkt an die richtige Versorgungsebene leiten.
- Tagesaktuelle Meldepflicht: Praxen sollen freie Terminkapazitäten in Echtzeit an die Terminservicestellen übermitteln müssen, um Leerlauf zu minimieren und die Terminvergabe transparenter zu machen.
Hitzige Debatte über Machbarkeit
Während Patientenorganisationen das Vorhaben einer garantierten Frist begrüßen, reagieren Ärztevertreter mit massiver Kritik. Angesichts von Personalmangel, Budgetgrenzen und bereits überlasteten Praxen und Notaufnahmen sei ein Drei-Wochen-Versprechen ohne zusätzliche personelle Ressourcen schwer umsetzbar. In den anstehenden Beratungen innerhalb der Regierungskoalition dürfte das Vorhaben daher noch intensiv diskutiert werden.
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