Fachjournal zieht umstrittene Corona-Studie zur Übersterblichkeit zurück
Das renommierte Fachjournal BMJ Public Health hat eine viel diskutierte wissenschaftliche Arbeit aus dem Jahr 2024 offiziell zurückgezogen. Die Publikation, die sich mit der Übersterblichkeit in westlichen Ländern seit Beginn der COVID-19-Pandemie befasste, hatte in der Vergangenheit für erhebliches Aufsehen gesorgt – insbesondere, weil sie von Impfskeptikern als vermeintlicher Beweis für die Schädlichkeit von Corona-Impfstoffen herangezogen wurde.
Die Hintergründe der umstrittenen Publikation
Ein Forschungsteam unter der Leitung von Saskia Mostert, angesiedelt an der Vrije Universiteit Amsterdam und dem Princess Máxima Center for Pediatric Oncology, analysierte Daten zur Übersterblichkeit aus 47 westlichen Ländern für den Zeitraum von Januar 2020 bis Ende 2022. Die Autorinnen und Autoren stellten fest, dass die Sterblichkeitsraten auch im Jahr 2021 auf einem hohen Niveau verblieben, obwohl weitreichende Eindämmungsmaßnahmen und großflächige Impfkampagnen durchgeführt wurden.
Obwohl die Studie keinen direkten kausalen Zusammenhang zwischen den COVID-19-Impfungen und der erhöhten Sterblichkeit herstellte, war die Formulierung der Ergebnisse äußerst missverständlich. Die Forschenden forderten die Politik auf, detailliertere Daten freizugeben, um die Auswirkungen von Impfkampagnen genauer zu untersuchen. Diese Zweideutigkeit bot eine ideale Angriffsfläche für Fehlinterpretationen.
Warum das Fachjournal die Reißleine zog
Bereits kurz nach der Veröffentlichung im Mai 2024 wurden innerhalb der wissenschaftlichen Gemeinschaft laute Zweifel an der Qualität und der Methodik der Arbeit laut. Kliniker und Epidemiologen kritisierten die Studie scharf, woraufhin die BMJ-Gruppe bereits einen formellen Warnhinweis herausgab.
Nun, rund zwei Jahre später, erfolgte der endgültige Rückzug der Studie. Laut der BMJ-Gruppe stützt sich diese Entscheidung auf mehrere schwerwiegende Mängel:
- Fehlinformationen: Die Diskussion der möglichen Todesursachen entsprach nicht dem wissenschaftlichen Konsens und enthielt irreführende Informationen.
- Mangelnde Ausgewogenheit: Die Schlussfolgerungen waren stark selektiv und fokussierten sich unverhältnismäßig auf angebliche negative Effekte der Impfungen, während alternative Erklärungen für die Übersterblichkeit weitgehend ignoriert wurden.
- Fehlende Originalität: Die von den Autoren durchgeführte originäre wissenschaftliche Arbeit wurde als unzureichend bewertet.
Untersuchung durch das eigene Institut
Auch das Princess Máxima Center leitete eine interne Untersuchung ein. Die Ethikkommission der Einrichtung stellte zwar kein vorsätzliches wissenschaftliches Fehlverhalten oder Datenfälschung fest, kam jedoch zu dem Schluss, dass die Forschenden gegen zentrale Standards der wissenschaftlichen Integrität verstoßen hatten. Insbesondere die unverhältnismäßige Fokussierung auf die Corona-Maßnahmen und Impfungen unter Vernachlässigung anderer Faktoren wurde scharf gerügt. Die Einrichtung unterstützte daraufhin die Entscheidung des Journals, die Arbeit vollständig zurückzuziehen.
Instrumentalisierung durch Impfgegner
Der Fall zeigt eindrücklich, wie wissenschaftliche Publikationen mit methodischen Schwächen in der öffentlichen Debatte instrumentalisiert werden können. Die Studie verbreitete sich rasend schnell in den sozialen Medien und wurde auf impfkritischen Portalen als vermeintlicher Beleg dafür gefeiert, dass die Corona-Impfungen für die Übersterblichkeit verantwortlich seien – eine Behauptung, die das Forschungsteam selbst nie explizit bewiesen hatte.
Mit dem jetzigen Rückzug der Studie ergreift die BMJ-Gruppe die schärfste Maßnahme der wissenschaftlichen Distanzierung und setzt ein klares Zeichen gegen die Verbreitung irreführender Gesundheitsinformationen.
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