Flughafenmalaria: RKI ruft Mediziner nach Todesfällen zu erhöhter Wachsamkeit auf

Dominik Hübenthal
Flughafenmalaria: RKI mahnt Ärzte zu Wachsamkeit bei unklarem Fieber

Nach mehreren schweren Infektionen unter Beschäftigten am Frankfurter Flughafen schlägt das Robert Koch-Institut (RKI) Alarm. Medizinisches Personal und Ärzteteams bundesweit sind aufgerufen, bei unklarem Fieber künftig auch das berufliche oder private Umfeld von Patienten genauestens abzufragen. Der Grund: Eine Infektion mit Malaria kann unter bestimmten Umständen auch ohne vorangegangene Fernreise mitten in Deutschland auftreten.

Tückische Infektion ohne Fernreise

Die sogenannte Flughafenmalaria ist ein seltenes, aber potenziell lebensbedrohliches Phänomen. Dabei gelangen tropische Stechmücken der Gattung Anopheles an Bord von Flugzeugen oder im Frachtgut unbemerkt nach Europa. Vor Ort können die Insekten bei warmen Außentemperaturen überleben und Personen stechen, die am Rollfeld, in der Frachtabfertigung oder in unmittelbarer Nähe des Airports tätig sind oder leben.

Am Flughafen Frankfurt wurden in den Sommermonaten mehrere Erkrankungsfälle von Malaria tropica gemeldet, zwei Betroffene verstarben an den Folgen der schweren Infektion. Die Erregerart Plasmodium falciparum gilt als besonders gefährlich und erfordert eine schnellstmögliche intensivmedizinische Behandlung.

Diagnostische Hürden in Praxis und Notaufnahme

In Arztpraxen, Notaufnahmen und Pflegeeinrichtungen stellt das Krankheitsbild eine erhebliche diagnostische Herausforderung dar. Üblicherweise wird Malaria erst bei Patienten vermutet, die kürzlich aus Endemiegebieten wie Afrika oder Südostasien zurückgekehrt sind. Fehlt dieser Reisehintergrund in der Anamnese, werden Symptome wie Schüttelfrost, hohes Fieber, Kopfschmerzen oder gastrointestinale Beschwerden wie Durchfall und Übelkeit häufig fälschlicherweise als herkömmlicher Sommerinfekt oder Magen-Darm-Grippe eingestuft.

Wie das Robert Koch-Institut betont, kann diese Fehleinschätzung zu einer fatalen Zeitverzögerung bei der Therapie führen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) weist deshalb in ihren Empfehlungen darauf hin, dass bei Fieberpatienten mit Arbeitsplatz oder Wohnort im Einzugsgebiet internationaler Flughäfen Malaria immer differentialdiagnostisch in Betracht gezogen werden sollte.

Relevanz weit über Frankfurt hinaus

Das Phänomen betrifft keineswegs nur medizinische Versorger in der direkten Umgebung des hessischen Drehkreuzes. Viele Airport-Beschäftigte pendeln aus benachbarten Regionen und Bundesländern zur Arbeit. Wenn Betroffene Tage nach einem Mückenstich erkranken, suchen sie meist ihren Hausarzt am Heimatort auf.

Für Pflegefachkräfte und behandelnde Ärzte gilt daher: Bei Patienten mit akuten, unklaren Fieberschüben sollte routinemäßig auch nach einer Tätigkeit oder einem Aufenthalt im Bereich internationaler Flugverbindungen gefragt werden. Ein schneller Bluttest und die gezielte Laboranalyse können im Verdachtsfall lebensrettend sein.

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