Statine im Alter: Wann das Absetzen von Cholesterinsenkern sinnvoll sein kann

Benedikt Hübenthal
Statine im Alter absetzen: Neue Erkenntnisse für Senioren und Pflege

Millionen ältere Menschen nehmen täglich Cholesterinsenker ein, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorzubeugen. Doch je älter ein Mensch wird, desto häufiger stellt sich in der Praxis die Frage: Überwiegt der Nutzen der sogenannten Statine noch immer mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten? Eine aktuelle klinische Studie liefert nun wichtige Anhaltspunkte, die für viele Betroffene und pflegende Angehörige Erleichterung bedeuten könnten.

Entwarnung bei reiner Vorsorge im hohen Alter

Die im Fachjournal Lancet Healthy Longevity veröffentlichte Phase-3-Untersuchung untersuchte Menschen ab 75 Jahren, die Statine ausschließlich zur reinen Vorbeugung – der sogenannten Primärprävention – eingenommen hatten. Das bedeutet: Bei diesen Patientinnen und Patienten lag vorab kein schweres Herz-Kreislauf-Ereignis wie ein Herzinfarkt oder Schlaganfall vor.

Das zentrale Ergebnis der über drei Jahre angelegten Beobachtung unter Alltagsbedingungen: Das Absetzen der Cholesterinsenker war einer Fortführung der medikamentösen Therapie hinsichtlich der Gesamtmortalität nicht unterlegen. Die Sterberate stieg bei den Senioren, die das Medikament unter ärztlicher Begleitung absetzten, im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht an.

Weniger Tabletten, mehr Lebensqualität

Gerade in der Pflege und bei hochbetagten Menschen ist die sogenannte Polypharmazie – die gleichzeitige Einnahme vieler verschiedener Präparate – eine tägliche Herausforderung. Jedes zusätzliche Medikament birgt das Risiko von unerwünschten Wechselwirkungen, Schwindel, Muskelschmerzen oder Stürzen.

Das kontrollierte Absetzen nicht zwingend notwendiger Präparate bietet handfeste Vorteile:

  • Geringere Belastung für Magen und Leber: Der Verzicht auf entbehrliche Wirkstoffe schont den Organismus.
  • Reduziertes Sturzrisiko: Typische Begleiterscheinungen wie Muskelschwäche oder Abgeschlagenheit können nachlassen.
  • Übersichtlichere Medikation: Pflegende Angehörige und Pflegekräfte behalten bei der täglichen Medikamentengabe leichter den Überblick.

Wichtig: Niemals ohne ärztliche Rücksprache handeln

Trotz der ermutigenden Studienergebnisse warnen Fachleute davor, Cholesterinsenker eigenmächtig abzusetzen. Insbesondere bei Personen, die bereits einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten haben (Sekundärprävention), bleibt die Einnahme von Statinen oft lebenswichtig und schützt vor Folgeschäden.

Die neuen Erkenntnisse sollten Betroffenen und ihren Angehörigen vielmehr als Anlass dienen, bei der nächsten Routineuntersuchung das Gespräch mit der Hausärztin oder dem Hausarzt zu suchen. Gemeinsam lässt sich anhand des individuellen Gesundheitszustands entscheiden, ob die Statine weiterhin notwendig sind oder sicher ausgeschlichen werden können.

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