Gefahr fürs Herz: Wie eine Corona-Infektion den Herzmuskel umbaut
Dass schwere Atemwegsinfektionen wie Covid-19 die Lunge angreifen, ist weithin bekannt. Doch auch lange nach der akuten Erkrankung drohen ernsthafte gesundheitliche Folgen – insbesondere für das Herz. Das Risiko für gefährliche Herzrhythmusstörungen und eine Herzinsuffizienz (Herzschwäche) ist nach einer SARS-CoV-2-Infektion signifikant erhöht. In der Medizin spricht man in diesem Zusammenhang vom sogenannten kardialen Remodelling, einem krankhaften Umbau des Herzmuskels.
Wenn das Immunsystem überreagiert
Lange Zeit war unklar, welche genauen Mechanismen hinter diesen späten, aber oft schweren Herz-Kreislauf-Komplikationen stecken. Auf der diesjährigen Jahrestagung der Kardiologen präsentierte der Mediziner Julian Leberzammer vom Universitätsklinikum Frankfurt nun richtungsweisende Erkenntnisse, die Licht ins Dunkel der Zellprozesse bringen.
Im Zentrum der medizinischen Forschung stehen die Abwehrzellen des Körpers, insbesondere die sogenannten Makrophagen (Fresszellen). Laut den Forschern des Universitätsklinikums Frankfurt kommt es bei Patienten mit Vorerkrankungen wie Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) zu einer regelrechten epigenetischen Umprogrammierung dieser Immunzellen. Kommt es dann zu einer Infektion mit dem Coronavirus, reagieren diese vorbelasteten Zellen mit einer massiven, überschießenden Entzündungsantwort.
Die fatale Kettenreaktion im Herzgewebe
Diese Überreaktion des Immunsystems, die durch bestimmte Botenstoffe angetrieben wird, hat gravierende Folgen für das gesamte Herz-Kreislauf-System:
- Strukturelle Gewebeveränderungen: Die andauernde Entzündung fördert den narbigen Umbau des feinen Herzgewebes.
- Verlust der Pumpleistung: Durch das "Remodelling" verliert das Herz an Elastizität und Kraft, was schleichend in eine chronische Herzinsuffizienz münden kann.
- Gefährliche Rhythmusstörungen: Das vernarbte Gewebe stört die elektrischen Signale im Herzen, was lebensbedrohliche Rhythmusstörungen begünstigt.
Besondere Gefahr für Risikopatienten
Besonders alarmierend sind diese Ergebnisse für Menschen, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden. Die Frankfurter Studien zeigen eindrücklich, dass gerade bei diesen Patienten das Immunsystem durch die Vorerkrankung quasi "scharfgestellt" ist. Eine Covid-19-Erkrankung wirkt dann wie ein Brandbeschleuniger für weitere, oft irreversible Herzschäden.
Was bedeutet das für die Pflege und Nachsorge?
Für Pflegekräfte, pflegende Angehörige und die Patienten selbst leiten sich aus diesen Erkenntnissen wichtige Maßnahmen für den Alltag ab. Wer eine schwerere virale Atemwegsinfektion durchgemacht hat, sollte in der Folgezeit akribisch auf mögliche Warnsignale des Herzens achten. Dazu gehören unter anderem:
- Unerklärliche Kurzatmigkeit bereits bei leichter körperlicher Belastung
- Wassereinlagerungen (Ödeme), insbesondere in den Beinen und Knöcheln
- Anhaltende, unerklärliche Erschöpfung und ein plötzlicher Leistungsknick
- Häufiges Herzstolpern, Herzrasen oder ein unregelmäßiger Puls
Experten raten dringend dazu, nach einer überstandenen schweren Infektion regelmäßige kardiologische Kontrolluntersuchungen wahrzunehmen. Nur durch eine frühzeitige Diagnose lässt sich der krankhafte Umbau des Herzens medikamentös aufhalten und die Lebensqualität der Betroffenen langfristig sichern.
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