Lebensretter nach dem Tod: Gewebespenden in Deutschland steigen deutlich

Djamal Sadaghiani
Gewebespenden 2025: DGFG meldet deutlichen Anstieg in Deutschland

Es ist ein bemerkenswertes Zeichen der Solidarität und Nächstenliebe: Im vergangenen Jahr ist die Bereitschaft zur Gewebespende in Deutschland spürbar gestiegen. Wie die Deutsche Gesellschaft für Gewebetransplantation (DGFG) in ihrem aktuellen Jahresbericht mitteilt, konnten insgesamt 4.201 Gewebespenden erfolgreich durchgeführt werden. Dies entspricht einem deutlichen Zuwachs von zwölf Prozent im Vergleich zum Vorjahr und markiert einen wichtigen Meilenstein für die medizinische Versorgung.

Augenhornhaut schenkt Tausenden neues Augenlicht

Im Gegensatz zur Organspende, bei der oftmals ein Hirntod vorausgesetzt wird, können Gewebe meist noch Stunden oder sogar Tage nach einem Herz-Kreislauf-Tod entnommen werden. So fanden laut der DGFG 88 Prozent der Gewebespenden völlig unabhängig von einer klassischen Organspende statt. Bei einem Eingriff werden häufig gleich mehrere Gewebearten entnommen, um möglichst vielen Patienten zu helfen.

Mit einem Anteil von 91 Prozent ist die Augenhornhaut das mit Abstand am häufigsten gespendete Gewebe. Im vergangenen Jahr gingen über 8.100 Augenhornhäute zur Aufbereitung in die spezialisierten Hornhautbanken des Netzwerks ein. Insgesamt konnten fast 10.000 Patientinnen und Patienten mit lebensrettenden oder lebensverbessernden Transplantaten versorgt werden. Neben mehr als 6.300 Hornhauttransplantaten wurden auch Herzklappen, Blutgefäße und sogenannte Amnionpräparate vermittelt. Letztere werden bei einer geplanten Kaiserschnittgeburt aus der Plazenta gewonnen und dienen als wertvoller Wundverband in der Augenheilkunde oder bei schweren Verbrennungen.

Angehörige tragen oft die Last der Entscheidung

Trotz der positiven Entwicklung bei den Spenderzahlen offenbart der Bericht auch eine anhaltende Herausforderung: die mangelnde Dokumentation des eigenen Willens. Im vergangenen Jahr wurden mehr als 62.000 potenzielle Spenderinnen und Spender an die DGFG gemeldet. In den daraufhin geführten Aufklärungsgesprächen stimmten die Hinterbliebenen in knapp 38 Prozent der Fälle einer Entnahme zu.

  • Lediglich 31 Prozent der Verstorbenen hatten ihren Willen zu Lebzeiten schriftlich fixiert oder ihren Familienangehörigen klar mündlich mitgeteilt.
  • In den meisten Fällen mussten demnach die Angehörigen die schwere Entscheidung im Sinne des Verstorbenen treffen.
  • Sprachen sich Familien für eine Spende aus, geschah dies zu 69 Prozent auf Basis des mutmaßlichen Willens. Bei Ablehnungen lag dieser Wert bei rund 63 Prozent.

Klarheit schaffen und Familien entlasten

Experten der medizinischen Fachgesellschaft betonen immer wieder, wie wichtig ein offenes Gespräch im familiären Umfeld ist. Wer seine Entscheidung für oder gegen eine Organ- und Gewebespende zu Lebzeiten klar kommuniziert und in einem Spenderausweis oder einer Patientenverfügung festhält, nimmt seinen Liebsten in den ohnehin schweren Stunden des Abschieds eine enorme emotionale Last ab. Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die moderne Gewebemedizin das Potenzial hat, unzähligen Menschen neue Lebensqualität zu schenken – vorausgesetzt, der eigene Wille ist bekannt.

Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?

PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.