Gefährlicher Jo-Jo-Effekt für das Herz: Warum das Absetzen von Abnehmspritzen riskant ist

Dominik Hübenthal
GLP-1 absetzen: Studie warnt vor rapidem Anstieg von Herzrisiken

Der Hype um Abnehmspritzen und Diabetes-Medikamente wie Ozempic, Wegovy oder Mounjaro ist ungebrochen. Sie versprechen nicht nur einen signifikanten Gewichtsverlust, sondern schützen auch das Herz-Kreislauf-System. Doch was passiert, wenn die Therapie beendet wird? Eine aktuelle und groß angelegte Untersuchung der Washington University School of Medicine in St. Louis, veröffentlicht im renommierten Fachmagazin BMJ Medicine, liefert nun alarmierende Antworten: Das Absetzen der sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten führt zu einem rapiden Anstieg der Risiken für Herzinfarkte, Schlaganfälle und einen vorzeitigen Tod.

"Metabolischer Peitschenschlag": Wenn die Schutzwirkung plötzlich wegfällt

Die Forscher analysierten die Gesundheitsdaten von über 333.000 US-Veteranen mit Typ-2-Diabetes über einen Zeitraum von drei Jahren. Dabei verglichen sie Patienten, die ihre GLP-1-Medikamente durchgehend einnahmen, mit jenen, die die Therapie abbrachen. Das Ergebnis ist eindeutig: Die positiven Effekte auf das Herz-Kreislauf-System verschwinden nach dem Absetzen erschreckend schnell.

Der leitende Studienautor und klinische Epidemiologe Dr. Ziyad Al-Aly spricht in diesem Zusammenhang von einem "metabolischen Peitschenschlag". Während die Gewichtszunahme nach dem Absetzen für die Patienten im Spiegel sichtbar sei, blieben die gefährlicheren Veränderungen zunächst unbemerkt. Blutdruck, Cholesterinwerte und Entzündungsmarker im Körper steigen rasant wieder an, während sich die Insulinresistenz verschlechtert. All das bedeutet massiven Stress für das Herz.

Bis zu 22 Prozent höheres Risiko für schwere Herzereignisse

Die Studie verdeutlicht, wie entscheidend eine kontinuierliche Einnahme für den Schutz des Herzens ist. Bereits eine Unterbrechung der Therapie von nur sechs Monaten reicht aus, um die zuvor aufgebauten kardiovaskulären Vorteile nahezu vollständig zunichtezumachen.

  • Nach einem Jahr: Das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt im Vergleich zur kontinuierlichen Einnahme um 14 Prozent.
  • Nach zwei Jahren: Wer die Medikamente zwei Jahre lang absetzt, trägt ein um 22 Prozent höheres Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden oder gar daran zu versterben.

Warum brechen so viele Patienten die Therapie ab?

Trotz der nachgewiesenen Vorteile beenden viele Betroffene die Einnahme der GLP-1-Präparate nach einigen Monaten. Die Gründe hierfür sind vielfältig. Häufig sind es die hohen Kosten für die Medikamente, die dauerhaft aus eigener Tasche bezahlt werden müssen, sofern keine Kostenübernahme durch die Krankenkasse erfolgt. Auch unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden oder schlichtweg anhaltende Lieferengpässe zwingen Patienten zum Abbruch.

Was bedeutet das für den Pflegealltag und Betroffene?

Für Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Patienten selbst ist diese Erkenntnis von immenser Bedeutung. Adipositas und Typ-2-Diabetes sind chronische Erkrankungen, die eine langfristige Behandlungsstrategie erfordern. Ein eigenmächtiges Absetzen der Medikamente – etwa weil das Wunschgewicht erreicht wurde – kann fatale gesundheitliche Folgen haben.

Experten raten dringend dazu, Medikamentenpausen oder einen Abbruch der Therapie stets engmaschig mit dem behandelnden Arzt abzustimmen. Nur so können alternative Behandlungswege gefunden und das Herz-Kreislauf-Risiko für den Patienten minimiert werden.

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