Gesundheits-Apps im Visier: Kommission fordert radikale Sparmaßnahmen

Djamal Sadaghiani
Finanzkommission Gesundheit: Strenge DiGA-Regeln & Zuzahlungen gefordert

Die sogenannten digitalen Gesundheitsanwendungen (DiGA) – umgangssprachlich oft als „Apps auf Rezept“ bezeichnet – erfreuen sich in Deutschland wachsender Beliebtheit. Doch die stetig steigenden Kosten rufen nun die Finanzkommission Gesundheit auf den Plan. In einem kürzlich vorgestellten, 483 Seiten starken Bericht empfiehlt das Expertengremium drastische Einschnitte und tiefgreifende Reformen, um die Ausgaben der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) zu dämpfen.

Kostenexplosion bei Gesundheits-Apps

Ein zentraler Kritikpunkt der Kommission ist die rasante Kostenentwicklung. Wie das Deutsche Ärzteblatt berichtet, kletterten die Ausgaben der GKV für DiGA von rund 21 Millionen Euro im Jahr 2021 auf beachtliche 170 Millionen Euro im Jahr 2025. Angesichts der angespannten Finanzlage der Krankenkassen identifizieren die Experten hier ein erhebliches Einsparpotenzial und fordern ein Ende der bisherigen, aus ihrer Sicht zu großzügigen Regelungen für Hersteller.

Ende der anfänglichen Preisfreiheit gefordert

Bislang profitieren Entwickler von Gesundheits-Apps von einer sogenannten Erprobungsregelung. Diese ermöglicht es ihnen, im ersten Jahr der Zulassung den Preis für ihre Anwendung nahezu frei zu bestimmen – selbst wenn der endgültige medizinische Nutzen noch nicht abschließend wissenschaftlich belegt ist. Die Finanzkommission plädiert nun für die restlose Streichung dieser initialen Preisfreiheit.

Stattdessen soll eine strenge Nutzenbewertung eingeführt werden, die sich am bewährten AMNOG-Verfahren für neue Arzneimittel orientiert. Die Erstattung durch die Krankenkassen soll demnach erst dann beginnen, wenn der tatsächliche Nutzen nachgewiesen und ein verbindlicher Erstattungsbetrag verhandelt wurde. Ein schneller Marktzugang durch anfängliche Preisfreiheit sei für digitale Anwendungen nicht zwingend notwendig, argumentiert die Kommission in ihrem Bericht.

Kommen nun Zuzahlungen für Patienten?

Besonders spürbar für die Versicherten könnte eine weitere Empfehlung werden: die Einführung von Zuzahlungen. Bisher werden zugelassene Gesundheits-Apps vollständig von der GKV übernommen. Die Experten der Finanzkommission halten künftig zwei Modelle für denkbar:

  • Eine prozentuale Eigenbeteiligung der Patienten in Höhe von zehn Prozent des App-Preises.
  • Eine Zuzahlungslösung, die sich an den bestehenden Regelungen für Heilmittel und medizinische Behandlungspflege orientiert.

Zudem soll zwei Jahre nach der Aufnahme in den Erstattungskatalog eine erneute, detaillierte Kosten-Nutzen-Bewertung stattfinden, um die Preise gegebenenfalls weiter nach unten anzupassen.

Kritik aus der Pharmaindustrie und Verbänden

Die Vorschläge der Kommission stoßen jedoch nicht überall auf Zustimmung. Der Verband der forschenden Pharma-Unternehmen (vfa) unterzog den Bericht umgehend einem Faktencheck und äußerte scharfe Kritik. Branchenvertreter warnen davor, dass der Wegfall des Erprobungsjahres und die Verschärfung der Preisverhandlungen die Innovationskraft am Standort Deutschland massiv schwächen könnten.

Es wird befürchtet, dass Entwickler durch die hohen Hürden abgeschreckt werden und Patienten letztlich der Zugang zu modernen, digitalen Therapieoptionen erschwert wird. Ob und in welchem Umfang die Empfehlungen der Finanzkommission, die insgesamt 66 Maßnahmen zur Stabilisierung der GKV-Finanzen umfassen, von der Politik umgesetzt werden, bleibt nun abzuwarten. Sicher ist jedoch: Die Diskussion um den Wert und Preis von digitaler Medizin hat gerade erst richtig begonnen.

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