Gesundheitswesen im Ernstfall: Neues Gesetz soll Kliniken für Krisen rüsten
Die Sicherheitslage in Europa hat sich in den vergangenen Jahren drastisch gewandelt. Nun rückt auch die Widerstandsfähigkeit der zivilen Infrastruktur immer stärker in den Fokus. Das deutsche Gesundheitswesen steht vor einer enormen Herausforderung: Es muss sich auf Szenarien vorbereiten, die lange Zeit als undenkbar galten – darunter auch mögliche kriegerische Auseinandersetzungen.
Kliniken müssen resilienter werden
Aktuell ist das System für einen sogenannten Bündnis- oder Verteidigungsfall noch nicht ausreichend gewappnet. Im Ernstfall müssten schlagartig bis zu 1.000 Verwundete koordiniert und auf zivile Krankenhäuser im gesamten Bundesgebiet verteilt werden. Um ein solches Szenario bewältigen zu können, bedarf es grundlegender struktureller Anpassungen in der zivil-militärischen Zusammenarbeit.
Das neue Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG)
Um diese kritischen Lücken zu schließen, arbeitet das Bundesgesundheitsministerium derzeit intensiv an einem neuen Gesetzentwurf. Das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) soll die zwingend benötigte rechtliche Basis für ein vernetztes Krisenmanagement schaffen. Ziel ist es, definierte Zuständigkeiten auf allen Ebenen festzulegen und Entscheidungsprozesse in einer Notlage massiv zu beschleunigen.
Ein integriertes Gesundheitslagebild als Herzstück
Laut dem Bundesgesundheitsministerium bildet ein einheitliches, zivil-militärisches Gesundheitslagebild den absoluten Kern der neuen Strategie. Dabei geht es vor allem um einen zentralen und jederzeit aktuellen Überblick über weitreichende Ressourcen:
- Verfügbare Behandlungskapazitäten in den regionalen und überregionalen Kliniken
- Sichere Transport- und Verlegungsmöglichkeiten für Patienten
- Bestände von kritischen Arzneimitteln und lebenswichtigen Medizinprodukten
Um dieses Lagebild in der Praxis zu realisieren, sollen vorhandene Datenströme intelligent zusammengeführt und Meldewege bundesweit standardisiert werden. Das Ministerium betont dabei ausdrücklich, dass keine neuen Doppelstrukturen geschaffen werden sollen. Stattdessen baue man auf den bereits bestehenden Systemen auf und optimiere deren Vernetzung für den Ernstfall.
Vorbereitung auf alle Szenarien
Auch wenn die Vorstellung einer verteidigungsbezogenen Krisenlage beunruhigend ist, gilt eine bundeseinheitliche Koordinierungsfähigkeit mittlerweile als unverzichtbar. Ähnlich wie in der Industrie oder beim Militär muss auch der medizinische Sektor in der Lage sein, auf extreme Ausnahmesituationen schnell, geordnet und effektiv zu reagieren. Mit der gesetzlichen Grundlage für das integrierte Gesundheitslagebild geht Deutschland nun einen entscheidenden Schritt in Richtung einer krisenfesten medizinischen Versorgung.
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