Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiff: WHO warnt vor Mensch-zu-Mensch-Übertragung
Ein idyllischer Trip in die Antarktis hat sich für die Passagiere des Expeditionskreuzfahrtschiffs "MV Hondius" in einen wahren Albtraum verwandelt. Nach einem tödlichen Ausbruch des Hantavirus an Bord sitzen rund 150 Menschen derzeit vor der Küste von Kap Verde fest. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) beobachtet die Lage mit großer Sorge und geht von einem äußerst seltenen Übertragungsweg aus.
Dramatische Lage: Drei Todesopfer, darunter ein Deutscher
Bislang hat der Ausbruch drei Menschenleben gefordert. Unter den Opfern befinden sich ein älteres niederländisches Ehepaar sowie ein deutscher Staatsbürger. Laut Angaben der WHO gibt es derzeit sieben bestätigte oder mutmaßliche Erkrankungsfälle. Ein schwer erkrankter britischer Passagier musste bereits auf eine Intensivstation nach Südafrika ausgeflogen werden, während drei weitere Reisende mit milderen Symptomen an Bord ausharren.
Die "MV Hondius" war ursprünglich im März im südargentinischen Ushuaia zu einer mehrwöchigen Naturexpedition aufgebrochen. Nun verweigern die Behörden des westafrikanischen Inselstaates Kap Verde aus Angst vor einer weiteren Ausbreitung das Anlegen. Niemand darf das Schiff verlassen.
WHO schlägt Alarm: Mensch-zu-Mensch-Übertragung wahrscheinlich
Besonders brisant ist die Art der Ansteckung. Üblicherweise infizieren sich Menschen durch das Einatmen von aufgewirbelten Partikeln aus dem Kot oder Urin infizierter Nagetiere. Doch in diesem Fall verdichten sich die Hinweise auf eine andere Ursache.
Laut der WHO-Epidemiespezialistin Maria Van Kerkhove geht die Gesundheitsorganisation inzwischen davon aus, dass es bei sehr engem Kontakt zu einer Übertragung von Mensch zu Mensch gekommen ist. Es wird vermutet, dass sich das niederländische Ehepaar bereits vor Reiseantritt bei einem Landausflug in Südamerika infiziert und das Virus anschließend in den engen Kabinen des Schiffes weitergegeben hat. Experten gehen davon aus, dass es sich um den sogenannten Andes-Hantavirus-Stamm handelt. Dieser ist in Südamerika beheimatet und für seine seltene Eigenschaft bekannt, auch zwischen Menschen übertragbar zu sein.
Typische Übertragungswege des Hantavirus im Überblick:
- Einatmen von Aerosolen: Aufgewirbelter Staub, der mit Ausscheidungen (Kot, Urin, Speichel) von infizierten Nagetieren kontaminiert ist.
- Schmierinfektion: Direkter Kontakt der Hände mit kontaminierten Oberflächen und anschließende Berührung von Mund, Nase oder Augen.
- Bisse: In sehr seltenen Fällen durch den direkten Biss eines infizierten Tieres.
- Mensch-zu-Mensch: Eine absolute Ausnahme, die fast ausschließlich beim südamerikanischen Andes-Stamm bei sehr engem Kontakt beobachtet wird.
Odyssee auf dem Atlantik: Wie geht es weiter?
Während sich die Passagiere weiterhin auf ihren Kabinen isolieren müssen, läuft die internationale Krisenbewältigung auf Hochtouren. Die WHO plant derzeit, zwei erkrankte Passagiere medizinisch in die Niederlande zu evakuieren. Im Anschluss soll die Reise der "MV Hondius" in Richtung der Kanarischen Inseln fortgesetzt werden. Dort erhofft man sich die Erlaubnis der spanischen Behörden, das Schiff umfassend desinfizieren und die Passagiere medizinisch untersuchen zu dürfen.
Trotz der tragischen Vorfälle an Bord gibt die WHO für die breite Öffentlichkeit vorerst Entwarnung: Das Risiko einer weltweiten Ausbreitung wird als sehr gering eingestuft, da sich dieser Virusstamm nicht annähernd so leicht verbreitet wie etwa Grippe- oder Coronaviren. Für die Menschen auf der "MV Hondius" bleibt die Situation jedoch vorerst eine nervenaufreibende Geduldsprobe.
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