Herzinfarkt-Risiko durch Süßstoffe? Charité-Kardiologe warnt vor Erythrit und Xylit

Dominik Hübenthal
Süßstoffe und das Herz: Warnung vor Erythrit und Xylit

Zucker reduzieren, Kalorien sparen und trotzdem nicht auf den süßen Geschmack verzichten – für viele gesundheitsbewusste Menschen klingen Zuckerersatzstoffe wie die perfekte Lösung. Doch diese scheinbar harmlose Alternative könnte einen hohen Preis haben. Auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) präsentierten Experten nun alarmierende Erkenntnisse: Bestimmte, weit verbreitete Süßungsmittel stehen im Verdacht, das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen signifikant zu erhöhen.

Der trügerische Ausweg aus der Zuckerfalle

Übergewicht ist ein wachsendes Problem. In Deutschland sind mittlerweile rund 19 Prozent der Erwachsenen adipös. Um Folgeerkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck zu vermeiden, greifen viele Menschen zu Light-Produkten oder süßen ihren Kaffee mit Zuckeralkoholen wie Erythrit (Erythritol) und Xylit, der oft als "Birkenzucker" vermarktet wird. Diese Stoffe kommen in geringen Mengen natürlich in Obst vor und werden daher oft als unbedenkliche, natürliche Alternativen beworben.

Laut Dr. Marco Witkowski, Kardiologe am Deutschen Herzzentrum der Charité (DHZC), ist genau das jedoch ein fataler Trugschluss. Der Experte warnt davor, dass Konsumenten – insbesondere solche mit kardiologischen Vorerkrankungen – durch den Wechsel auf diese Zuckerersatzstoffe vom Regen in die Traufe geraten könnten.

Erhöhte Thrombosegefahr durch Erythrit und Xylit

Die Forschungsergebnisse, an denen das Team der Charité maßgeblich beteiligt war, zeigen einen besorgniserregenden Mechanismus auf. Blutuntersuchungen und klinische Tests ergaben, dass erhöhte Konzentrationen von Erythrit und Xylit im Blut die sogenannte Reaktivität der Blutplättchen (Thrombozyten) steigern. Einfach ausgedrückt: Das Blut verklumpt schneller.

  • Gesteigerte Gerinnung: Die Zuckeralkohole fördern die Bildung von Blutgerinnseln (Thrombosen).
  • Schwerwiegende Folgen: Löst sich ein solches Gerinnsel, drohen lebensgefährliche Ereignisse wie ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall.
  • Risikogruppen im Fokus: Besonders Patienten, die bereits an Herz-Kreislauf-Erkrankungen leiden und denen oft explizit zu diesen Zuckeralternativen geraten wird, sind gefährdet.

In Studien mit transkontinentalen Kohorten zeigte sich, dass Menschen mit hohen Xylit- oder Erythrit-Werten im Blut ein deutlich höheres Risiko für schwerwiegende kardiovaskuläre Ereignisse aufwiesen.

Gibt es sichere Alternativen?

Die Erkenntnisse bedeuten nicht, dass nun alle Süßungsmittel verteufelt werden müssen. Die Wissenschaftler untersuchen derzeit intensiv, welche Stoffe bedenkenlos konsumiert werden können und welche nicht. So ergaben die bisherigen Analysen beispielsweise für den natürlichen Süßstoff Stevia keinerlei Hinweise auf kardiologische Risiken.

Was Experten jetzt raten

Für den Alltag bedeutet dies vor allem eines: Aufklärung und ein bewussterer Umgang mit der eigenen Ernährung. Anstatt Zucker im Verhältnis eins zu eins durch Xylit oder Erythrit zu ersetzen, raten Mediziner dazu, die generelle Süße in der Ernährung schrittweise zu reduzieren. Wer bereits an Herz-Kreislauf-Problemen leidet, sollte den Konsum von hochverarbeiteten Zuckeralkoholen kritisch überdenken und im Zweifel auf bewährte, risikoarme Alternativen oder eine natürliche Zuckerreduktion setzen.

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