Hitze im Krankenhaus: Hohe Temperaturen gefährden Patienten

Dominik Hübenthal
Hitze im Krankenhaus: RWI-Studie warnt vor Dehydrierung

Krankenhäuser gelten als geschützte Orte der Genesung und medizinischen Überwachung. Doch an heißen Sommertagen kann der Klinikaufenthalt selbst zu einem gesundheitlichen Risiko werden. Wie eine umfassende Untersuchung des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung belegt, droht vielen Patientinnen und Patienten während einer Hitzewelle ein gefährlicher Flüssigkeitsmangel – und zwar erst nach ihrer Aufnahme auf die Station.

RWI-Analyse: Deutlicher Anstieg von Flüssigkeitsmangel ab 30 Grad

Für die im Rahmen der Ruhr Economic Papers veröffentlichte Untersuchung werteten die Forschenden Daten von rund 41,3 Millionen stationären Aufnahmen in über 2.000 deutschen Kliniken über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten aus. Berücksichtigt wurden ausschließlich Personen, die bei der Einlieferung noch keinen Flüssigkeitsmangel aufwiesen.

Die Ergebnisse machen deutlich, wie stark sommerliche Hitzeperioden auf den Versorgungsalltag durchschlagen:

  • Dehydrierungsrisiko steigt um 17 Prozent: Bei Außentemperaturen von über 30 Grad Celsius klettert die Wahrscheinlichkeit, im Krankenhaus eine Dehydrierung zu erleiden, im Vergleich zu moderaten Tagen (15 bis 20 Grad) um 17 Prozent nach oben.
  • Gefahr von Nierenversagen: Eng gekoppelt an den Flüssigkeitsmangel steigt auch die Rate akuter Nierenfunktionsstörungen um fast fünf Prozent an.
  • Jeder heiße Tag zählt: Bei einem durchschnittlichen einwöchigen Aufenthalt erhöht bereits jeder einzelne zusätzliche Hitzetag das Dehydrierungsrisiko spürbar.

Besonders gefährdet: Hochbetagte und Menschen mit Demenz

Die Belastung trifft die Patientengruppen keineswegs gleichmäßig. Am stärksten gefährdet sind ältere Menschen sowie Patientinnen und Patienten mit kognitiven Einschränkungen. Bei über 65-jährigen Demenzerkrankten stieg die Zahl der im Krankenhaus erworbenen Dehydrierungsdiagnosen während extremer Hitzephasen um ein Vielfaches stärker an als bei Patienten ohne kognitive Vorerkrankungen.

Die Ursachen dafür liegen im Krankheitsbild und den Versorgungsstrukturen: Menschen mit Demenz verspüren oft ein vermindertes Durstgefühl oder vergessen schlicht, zur Wasserflasche zu greifen. Zudem sind sie häufig nicht in der Lage, eigenständig nach Getränken zu fragen oder den Becher ohne Hilfe zum Mund zu führen. Sie sind daher vollkommen darauf angewiesen, dass Pflegekräfte ihnen regelmäßig Flüssigkeit anreichen.

Fehlende Klimatisierung und Personalengpässe verschärfen das Problem

Warum können Kliniken ihre Schützlinge vor der Sommerhitze oft nicht ausreichend bewahren? Die Studienautoren weisen auf strukturelle Hürden im deutschen Gesundheitssystem hin. Zahlreiche Klinikgebäude heizen sich bei anhaltend hohen Temperaturen stark auf, während nur ein kleiner Bruchteil der regulären Patientenzimmer über eine moderne Klimatisierung verfügt.

Gleichzeitig geraten die Pflegeteams an heißen Tagen unter doppelten Druck: Einerseits verlangt der Hitzeschutz einen erhöhten Betreuungsaufwand durch engmaschige Trinkprotokolle, wiederholtes Reichen von Wasser und häufigeres Umlagern. Andererseits leiden Pflegekräfte unter denselben belastenden Raumtemperaturen, was bei anhaltendem Personalmangel zu einer enormen Zerreißprobe wird.

Was Kliniken und Pflegeeinrichtungen jetzt tun müssen

Angesichts zunehmender Hitzewellen unterstreichen Fachleute die Dringlichkeit konkreter Hitzeschutzpläne in medizinischen und pflegerischen Einrichtungen. Um vermeidbare Komplikationen zu verhindern, rücken mehrere Maßnahmen in den Fokus:

  • Feste Trinkrituale: Strukturierte Trinkrunden und sichtbare Bereitstellung von abwechslungsreichen Getränken zu festen Zeiten.
  • Engmaschiges Monitoring: Regelmäßige Überprüfung von Hautturgor, Vitalwerten und Flüssigkeitsbilanzen, insbesondere bei sedierten oder dementen Patienten.
  • Bauliche und organisatorische Anpassungen: Konsequente Verschattung von Fenstern in den frühen Morgenstunden, nächtliche Lüftungskonzepte sowie die Schaffung gekühlter Rückzugszonen auf den Stationen.
  • Angepasste Dienstpläne: Entlastung des Personals durch angepasste Schichtmodelle während extremer Hitzeperioden.

Die Erkenntnisse machen deutlich, dass Hitzeschutz im Krankenhaus kein Luxus, sondern ein essenzieller Bestandteil der Patientensicherheit ist. Ohne gezielte Vorkehrungen und ausreichende personelle Ressourcen droht der Sommer für geschwächte Patienten zur ernsten Belastungsprobe zu werden.

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