Kahlschlag in den Praxen: 900.000 Arzttermine in Gefahr

Dominik Hübenthal
Brandenburg: KVBB warnt vor Verlust von 900.000 Arztterminen durch Sparpaket

Patienten in Brandenburg müssen sich künftig auf drastisch längere Wartezeiten bei ihren Ärzten einstellen. Ein neues Sparpaket der Bundesregierung bedroht die ambulante medizinische Versorgung in dem Bundesland massiv. Gesundheitsexperten schlagen Alarm und warnen vor einem beispiellosen Einschnitt in die Patientenversorgung, der den Wegfall von knapp einer Million Arztterminen bedeuten könnte.

"Eine rote Linie ist überschritten"

Die Kassenärztliche Vereinigung Brandenburg (KVBB) findet deutliche Worte für die Pläne aus Berlin. Laut der KVBB-Vorsitzenden Catrin Steiniger gefährdet der aktuelle Gesetzentwurf die ambulante Infrastruktur in Brandenburg nicht nur massiv, sondern auch dauerhaft. Für die Ärzteschaft im Land sei mit den geplanten Kürzungen im ambulanten Sektor eine rote Linie überschritten, die man nicht länger hinnehmen könne.

Die Maßnahmen des Sparpakets im Detail

Hintergrund der Aufregung ist das sogenannte GKV-Beitragsstabilisierungsgesetz. Mit diesem Vorhaben plant die Bundesregierung, allein im kommenden Jahr rund 2,7 Milliarden Euro im ambulanten Gesundheitssektor einzusparen. Um dieses Ziel zu erreichen, sind weitreichende Einschnitte vorgesehen:

  • Strikte Budgetierung: Es soll eine harte Deckelung der Vergütung für sämtliche medizinischen Leistungen in den Praxen eingeführt werden.
  • Wegfall von Sondervergütungen: Zusätzliche Termine, die bisher über die Terminservice-Hotline 116117 vermittelt wurden, sollen künftig nicht mehr gesondert entlohnt werden.

900.000 Termine weniger für Patienten

Die Konsequenzen dieser rigiden Sparpolitik treffen am Ende vor allem die Bürger. Die Vertragsärzte kündigten bereits konkret an, dass durch die fehlende Finanzierung in Brandenburg künftig bis zu 900.000 Arzttermine pro Jahr schlichtweg wegfallen werden. Wenn Mediziner für Mehrarbeit und zusätzlich eingeschobene Patienten nicht mehr bezahlt werden, zwingt sie das wirtschaftlich dazu, ihr Angebot drastisch zu reduzieren.

Drohender Kollaps der Grundversorgung

Für ein Flächenland wie Brandenburg, das ohnehin schon mit enormen Herausforderungen in der medizinischen Versorgung und einem spürbaren Ärztemangel kämpft, ist dies ein fatales Signal. Experten befürchten, dass Patienten künftig noch länger auf dringend benötigte Haus- und Facharzttermine warten müssen. In der Folge könnten sich die ohnehin belasteten Notaufnahmen der Krankenhäuser weiter füllen, da kranke Menschen keinen Platz mehr in den regulären Sprechstunden finden.

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