Kassenärzte-Chef fordert Preis-Schock: 20 Euro für eine Schachtel Zigaretten

Djamal Sadaghiani
20 Euro für Zigaretten? Ärztechef Gassen fordert drastische Preiserhöhung

Der Vorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Andreas Gassen, schlägt Alarm und fordert ein drastisches Umdenken in der deutschen Gesundheitspolitik. Um insbesondere Kinder und Jugendliche vor den schwerwiegenden Folgen von Suchtmitteln zu schützen, plädiert der oberste Ärztevertreter für massive Preiserhöhungen bei Tabak- und Alkoholprodukten.

Das Gesundheitssystem als „Reparaturbetrieb“

Die Lebenserwartung in Deutschland liegt laut dem KBV-Chef mittlerweile unter dem europäischen Durchschnitt. Ein wesentlicher Grund dafür sei der ungesunde Lebensstil vieler Bürger. Der Konsum von Zigaretten und hochprozentigem Alkohol beginne in den meisten Fällen bereits im Jugendalter. Wenn die gesundheitlichen Schäden im Erwachsenenalter schließlich sichtbar werden, könne das ohnehin stark belastete Gesundheitssystem oft nur noch als „Reparaturbetrieb“ fungieren und versuchen, die schlimmsten Folgen medizinisch aufzufangen.

20 Euro für eine Schachtel Zigaretten

Um eine echte präventive Lenkungswirkung zu erzielen, schlägt Gassen konkrete und für Konsumenten schmerzhafte Maßnahmen vor:

  • Massive Preisanhebung: Eine Schachtel Zigaretten soll künftig 20 Euro kosten.
  • Verteuerung von Alkohol: Auch hochprozentige Spirituosen sollen durch höhere Abgaben deutlich teurer und somit unattraktiver werden.
  • Erschwerter Zugang für Jugendliche: Durch den extremen Preisaufschlag sollen sich junge Menschen den Konsum schlichtweg nicht mehr vom Taschengeld leisten können.

Ein Preis von 20 Euro pro Packung hätte laut dem Ärztechef noch einen weiteren Nebeneffekt: Das klassische „Schnorren“ von Zigaretten auf dem Schulhof oder in der Freizeit würde bei derart hohen Kosten für den Einzelnen kaum noch von Erfolg gekrönt sein.

Unterstützung von Kinder- und Jugendärzten

Rückendeckung erhält Gassen vom Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte. Dort weist man darauf hin, dass aktuell fast jeder zehnte Jugendliche zwischen 13 und 17 Jahren raucht. Vertreter des Verbandes betonen, dass eine spürbare Preissteigerung viele junge Menschen wirksam vom Rauchen abhalten würde. Gleichzeitig warnen die Mediziner davor, neuartige Produkte zu vergessen: Auch sogenannte Vapes und E-Zigaretten erfreuen sich bei Teenagern enormer Beliebtheit und müssten zwingend in eine drastische Steuererhöhung einbezogen werden.

Regierungspläne greifen den Ärzten zu kurz

Aktuell kostet eine Schachtel mit 20 Zigaretten in Deutschland durchschnittlich knapp unter neun Euro. Die Bundesregierung hat zwar bereits eine schrittweise Erhöhung der Tabaksteuer beschlossen, diese fällt aus Sicht der Mediziner jedoch viel zu zaghaft aus. Nach den derzeitigen Plänen des Bundesfinanzministeriums soll der durchschnittliche Packungspreis bis zum Jahr 2030 auf etwa 11,40 Euro ansteigen. Von den geforderten 20 Euro bliebe Deutschland damit noch weit entfernt.

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