Kassenärzte warnen Politik vor Reformen ohne Praxen
Die ambulante medizinische Versorgung steht vor gewaltigen Herausforderungen – und die Geduld der niedergelassenen Ärzteschaft ist strapaziert. Bei der jüngsten Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) fand der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Stephan Hofmeister deutliche Worte an die Adresse der Bundespolitik: Jede Reform und Weiterentwicklung des deutschen Gesundheitssystems, die ohne oder gar gegen die niedergelassenen Praxen geplant werde, sei von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Ambulante Versorgung als tragende Säule
Die Praxen der Haus- und Fachärzte bilden das Rückgrat der gesundheitlichen Betreuung in Deutschland. Sie fangen tagtäglich Millionen von Patientenkontakten auf und entlasten damit die ohnehin überlasteten Kliniken und Notaufnahmen. Wenn politische Weichenstellungen jedoch vor allem an den Bedürfnissen der Krankenhäuser ausgerichtet werden und die ambulanten Strukturen vernachlässigen, droht das gesamte Versorgungssystem aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Nach Ansicht der KBV muss die Politik endlich anerkennen, dass moderne Medizin nicht am Reißbrett zentralisiert werden kann. Stattdessen brauche es verlässliche Rahmenbedingungen, Bürokratieabbau und faire finanzielle Rahmenbedingungen für Niedergelassene, um den Beruf auch für den medizinischen Nachwuchs attraktiv zu halten.
Forderungen der Ärzteschaft an die Gesundheitspolitik
Um die wohnortnahe Versorgung zukunftssicher aufzustellen, mahnen Ärztevertreter seit Langem konkrete Schritte an:
- Stärkung statt Schwächung der Praxisstrukturen: Gesetzliche Neuregelungen müssen die ambulante Medizin gezielt fördern und dürfen Ressourcen nicht einseitig in stationäre Großprojekte verschieben.
- Bürokratieabbau: Praxisinhaber und medizinische Fachangestellte verbringen täglich Stunden mit Dokumentationspflichten, die für die direkte Patientenversorgung verloren gehen.
- Nachwuchssicherung: Angesichts einer bevorstehenden Welle von Praxisaufgaben aus Altersgründen müssen Niederlassungen auf dem Land und in der Stadt spürbar erleichtert werden.
Auswirkungen auch auf Pflege und Patienten
Für pflegebedürftige Menschen und pflegende Angehörige sind funktionierende Haus- und Facharztpraxen existenziell. Hausbesuche, kontinuierliche Medikationsbegleitung und schnelle Hilfe im Krankheitsfall verhindern unnötige Krankenhauseinweisungen und sichern den Verbleib im gewohnten häuslichen Umfeld. Ein Ausdünnen des Praxisnetzes hätte daher verheerende Folgen für die gesamte pflegerische Versorgungslandschaft.
Die klare Botschaft an die Bundesregierung lautet: Reformen können nur im Schulterschluss mit den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten gelingen. Eine Gesundheitspolitik, die den ambulanten Sektor übergeht, gefährdet die flächendeckende Patientenversorgung im ganzen Land.
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