KBV warnt Politik: Ambulante Versorgung braucht sofortigen Kurswechsel

Djamal Sadaghiani
KBV mahnt Kurskorrekturen an: Ambulante Versorgung in Gefahr

Zwischen den gesundheitspolitischen Vorhaben der Bundesregierung und den realen Bedingungen in den Arzt- und Psychotherapeutenpraxen klafft eine immer größere Lücke. Auf der jüngsten Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) richtete Vorstandsmitglied Sibylle Steiner deutliche Worte an die Verantwortlichen in der Gesundheitspolitik. Statt unabgestimmter Neuerungen und bloßer Ankündigungen brauche es jetzt tiefgreifende Kurskorrekturen, um die flächendeckende Patientenversorgung dauerhaft abzusichern.

Kritik an neuen Digitalisierungs- und Primärarztplänen

Im Zentrum der Kritik stehen unter anderem die aktuellen Gesetzesinitiativen für Innovation und Daten im Gesundheitswesen. Laut der KBV werden mit Gesetzesentwürfen wie dem Gesetz für Daten und digitale Innovation im Gesundheitswesen (GeDIG) Weichenstellungen für ein Primärversorgungssystem vorgenommen, ohne dass zuvor einheitliche Leitplanken mit den Praxisvertretern festgelegt wurden.

Besonders kritisch bewertet die KBV den Vorstoß, den digitalen Zugang zur ärztlichen Versorgung vorrangig an die Apps der gesetzlichen Krankenkassen zu koppeln. Ein solcher Versorgungseinstieg entspreche nicht der gelebten Praxis und berge die Gefahr, Patientinnen und Patienten vom direkten Arztkontakt abzuschneiden. Der Zugang müsse weiterhin diskriminierungsfrei bleiben – unter anderem über etablierte Dienste wie die Servicenummer 116117 oder bewährte Drittanbieterplattformen.

Was die Praxen jetzt fordern

Die KBV fordert von der Bundesregierung eine Neuausrichtung, die den Arbeitsalltag in den Praxen spürbar entlastet und ihnen Planbarkeit zurückgibt. Zu den Kernforderungen zählen:

  • Praxistaugliche Rahmenbedingungen: Eine auskömmliche Finanzierung und echte Entlastung bei bürokratischen Vorgaben.
  • Hoheit über die Terminvergabe: Praxen müssen weiterhin selbst über ihre Praxisabläufe und Terminstrukturen entscheiden können, anstatt sich rein kassengetriebenen Steuerungsinstrumenten unterzuordnen.
  • Erhalt des direkten Zugangs: Keine digitalen Hürden für Patientinnen und Patienten, die auf eine zeitnahe ärztliche Diagnose angewiesen sind.
  • Bedarfsgerechte Notfall- und Primärversorgung: Vermeidung von ineffizienten Doppelstrukturen und stattdessen eine gezielte Stärkung der bestehenden ambulanten Versorgungsnetze.

Auswirkungen auf Pflege und ältere Patienten

Gerade für Pflegebedürftige und ältere Menschen ist ein verlässliches Netz aus Haus- und Fachärzten essenziell. Wenn Praxen durch unausgegorene Reformen überlastet oder Regulierungen überfordert werden, drohen längere Wartezeiten bei Hausbesuchen, Verzögerungen bei Verordnungen und Engpässe in der ambulanten Betreuung. Umso wichtiger ist ein Dialog auf Augenhöhe zwischen Politik und den Akteuren im Gesundheitswesen, damit innovative Reformen die Versorgung stützen, anstatt sie zu gefährden.

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