Keine Klimaanlagen in neuen Patientenzimmern: Warum Kliniken auf Alternativen setzen

Djamal Sadaghiani
Hitze im Krankenhaus: Warum Klinik-Neubauten auf Klimaanlagen verzichten

Angesichts zunehmender sommerlicher Hitzeperioden wird das Raumklima in Gesundheitseinrichtungen zu einem immer drängenderen Thema für das Wohlbefinden von Pflegebedürftigen und Patienten. Wer jedoch darauf hofft, dass in modernen Krankenhausneubauten flächendeckend klassische Klimaanlagen für Abkühlung auf den Stationen sorgen, sieht sich enttäuscht. Umfragen unter Krankenhausbetreibern und Klinikträgern in Baden-Württemberg zeigen ein deutliches Bild: In neu entstehenden Klinikgebäuden sind herkömmliche Klimageräte in regulären Patientenzimmern so gut wie nie vorgesehen.

Kosten, Energie und Hygiene als Hürden

Die Gründe für den Verzicht auf vollflächige Klimatisierung sind vielschichtig. An erster Stelle stehen wirtschaftliche und energetische Faktoren. Eine lückenlose Vollklimatisierung kompletter Gebäudekomplexe ist mit enormen Investitions- und vor allem dauerhaft hohen Betriebskosten verbunden. Bei den ohnehin stark belasteten Klinikbudgets müssen Träger und Planer strikt auf Wirtschaftlichkeit achten.

Hinzu kommen bautechnische und hygienische Bedenken gegen klassische Umluft- und Klimageräte:

  • Hygieneanforderungen: Herkömmliche Klimasysteme erfordern einen hohen Wartungsaufwand, um die Bildung und Verteilung von Keimen zu verhindern.
  • Gesundheitliche Aspekte: Zugluft und zu trockene Luft können das Wohlbefinden schwächen, Schleimhäute reizen und den Heilungsprozess empfindlicher Patienten belasten.
  • Energiebilanz: Der massive Stromverbrauch klassischer Anlagen steht vielen Nachhaltigkeitszielen und Energieeinsparvorgaben im Weg.

Betonkernaktivierung und Kühldecken: Wie Neubauten kühlen

Dass auf klassische Klimaanlagen verzichtet wird, bedeutet keineswegs, dass moderne Krankenhäuser dem Hitzestau schutzlos ausgeliefert sind. Bauherren setzen stattdessen verstärkt auf bauliche und physikalische Kühlmethoden, die ein gleichmäßiges Raumklima schaffen sollen:

  • Betonkernaktivierung: In Betondecken oder -wände werden Rohrsysteme integriert, durch die kaltes Wasser zirkuliert. Die Bausubstanz nimmt die Raumwärme auf und kühlt die Räume sanft und ohne Luftbewegung ab.
  • Moderne Kühldecken: Über flächige Deckenelemente wird Strahlungskälte geräuschlos und zugluftfrei an den Raum abgegeben.
  • Automatisierte Verschattung: Außenliegende Jalousien und Hitzeschutzverglasungen halten die Sonnenstrahlung bereits ab, bevor Wärme ins Innere gelangt.
  • Kontrollierte Be- und Entlüftung: Zentrale Systeme führen verbrauchte Luft ab und sorgen für einen kontinuierlichen Luftaustausch mit gefilterter Frischluft.

Klimaanlagen bleiben auf Spezialbereiche beschränkt

Ganz ohne aktive Kältetechnik kommt ein modernes Krankenhaus jedoch nicht aus. Für hochsensible und geräteintensive Bereiche gelten strengere Vorgaben. Vollwertige Klimaanlagen sind daher weiterhin fester Bestandteil für:

  • Operationssäle und Eingriffsräume
  • Intensivstationen und Aufwachräume
  • Räume mit Großgeräten wie Computertomografen (CT) oder Magnetresonanztomografen (MRT)
  • Zentrallabore, Krankenhausapotheken und Notaufnahmen

Herausforderung für Pflegekräfte und Patienten

Für Pflegekräfte und Betroffene bleibt das Thema Hitze trotz moderner Baukörper eine spürbare Belastung, insbesondere während extremer Hitzewellen über mehrere Tage hinweg. Passive Kühlsysteme stoßen bei anhaltenden tropischen Nächten an physikalische Leistungsgrenzen. Viele Einrichtungen greifen daher auf organisatorische Maßnahmen zurück – von angepassten Lüftungszeiten in den frühen Morgenstunden über die Bereitstellung von Kühlzonen für das Personal bis hin zu engmaschigen Trinkplänen für die Patienten.

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