Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Schwerbehinderung steigt drastisch an

Djamal Sadaghiani
Arbeitslosigkeit bei Menschen mit Behinderung verdoppelt sich

Menschen mit einer Schwerbehinderung sind auf dem deutschen Arbeitsmarkt zunehmend benachteiligt. Während sich die allgemeine konjunkturelle Lage eintrübt, trifft die wirtschaftliche Flaute Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit körperlichen oder gesundheitlichen Einschränkungen besonders hart. Eine aktuelle Auswertung des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) zeichnet ein besorgniserregendes Bild der aktuellen Arbeitsmarktsituation.

Arbeitslosenquote doppelt so hoch wie im Gesamtschnitt

Nach Angaben des DGB lag die Arbeitslosenquote unter Menschen mit einer anerkannten Schwerbehinderung im vergangenen Jahr bei zwölf Prozent. Damit ist dieser Wert etwa doppelt so hoch wie die allgemeine Arbeitslosenquote in Deutschland. Die Kluft zwischen Beschäftigten mit und ohne Einschränkungen hat sich damit im Zuge der wirtschaftlichen Herausforderungen weiter vergrößert.

Auffällig ist dabei, dass Menschen mit Schwerbehinderung im Falle eines Arbeitsplatzverlustes deutlich längere Zeiträume benötigen, um wieder im Arbeitsleben Fuß zu fassen. Trotz Fachkräftemangels in zahlreichen Branchen – darunter insbesondere auch im Gesundheits- und Pflegesektor – greifen Arbeitgeber noch immer zu selten auf das Potenzial qualifizierter Personen mit Handicap zurück.

Hürden beim beruflichen Wiedereinstieg

Fachleute und Interessenverbände weisen auf mehrere strukturelle Probleme hin, die eine nachhaltige Inklusion am Arbeitsplatz hemmen:

  • Vorbehalte und bürokratische Hürden: Viele Unternehmen fürchten einen erhöhten Betreuungs- oder Anpassungsaufwand, obwohl es umfangreiche staatliche Förder- und Ausgleichsleistungen gibt.
  • Mangelnde Barrierefreiheit: Nicht alle Betriebe verfügen über modern gestaltete, barrierefreie Arbeitsumgebungen, die flexibles und ergonomisches Arbeiten ermöglichen.
  • Wahl der Ausgleichsabgabe: Anstatt gesetzliche Beschäftigungspflichten für Schwerbehinderte vollständig zu erfüllen, entscheiden sich einige Arbeitgeber weiterhin dafür, die finanzielle Ausgleichsabgabe zu zahlen.

Forderung nach mehr Inklusion und Unterstützung

Angesichts dieser Entwicklung fordern Gewerkschaften und Sozialverbände ein klares Umdenken in der betrieblichen Praxis. Gefragt seien nicht nur intensivere Beratungsangebote der Agenturen für Arbeit, sondern auch ein entschlosseneres Vorgehen gegen Vorurteile in Personalabteilungen. Inklusion dürfe nicht nur in wirtschaftlich florierenden Zeiten ein Thema sein, sondern müsse gerade in Krisenzeiten aktiv gefördert und gesichert werden.

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