Kostenexplosion in der Apotheke: Studie deckt europaweiten Preiswucher bei neuen Medikamenten auf
Die Ausgaben für neue, patentgeschützte Arzneimittel bringen die europäischen Gesundheitssysteme zunehmend an ihre finanziellen Grenzen. Eine aktuelle Analyse der Association Internationale de la Mutualité (AIM), einem internationalen Dachverband von Krankenkassen und Krankenversicherungen, schlägt nun Alarm: Die von den Herstellern aufgerufenen Preise stehen oft in keinem vertretbaren Verhältnis mehr zu den tatsächlichen Forschungs- und Entwicklungskosten. Das ungenutzte Einsparpotenzial ist gigantisch.
27 Milliarden Euro könnten jährlich gespart werden
Laut der umfassenden Untersuchung könnten die Mitgliedstaaten der Europäischen Union gemeinsam jedes Jahr bis zu 27 Milliarden Euro einsparen. Voraussetzung dafür wäre ein Preismodell, das sich strikt an den realen Kosten der Pharmakonzerne sowie am tatsächlichen therapeutischen Nutzen der Medikamente orientiert. Für die Studie wurden die Preise von zehn teuren Spezialpräparaten – unter anderem aus der Krebsmedizin und für seltene chronische Erkrankungen – in sechs europäischen Ländern, darunter Deutschland, detailliert analysiert.
Deutschland zahlt weltweit fast die höchsten Preise
Besonders drastisch ist die Situation in der Bundesrepublik. Nach den USA zahlt die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) in Deutschland die höchsten Arzneimittelpreise weltweit. Die Zahlen sprechen für sich: In den vergangenen 15 Jahren haben sich die Ausgaben der Krankenkassen in diesem Sektor mehr als verdoppelt und erreichten im vergangenen Jahr fast 60 Milliarden Euro.
Ein massives Ungleichgewicht zeigt sich bei den Verhältnissen: Obwohl patentgeschützte Medikamente nur rund sieben Prozent aller Verordnungen ausmachen, verursachen sie mittlerweile 54 Prozent der gesamten Arzneimittelkosten der GKV.
Forderung nach einem "Fair-Pricing-Modell"
Um dieser Kostenexplosion entgegenzuwirken, hat die AIM ein sogenanntes „Fair-Pricing-Modell“ entwickelt. Dieses Konzept sieht vor, dass die Preise fair und vor allem transparent kalkuliert werden. Es berücksichtigt unter anderem:
- Die tatsächlichen Kosten für Forschung, Entwicklung und Produktion
- Realistische Aufwendungen für Vertrieb und Marketing
- Eine festgeschriebene, angemessene Gewinnmarge von acht Prozent
- Einen Innovationsbonus, der an den echten medizinischen Mehrwert für die Patienten gekoppelt ist
Mehr Transparenz von der Pharmaindustrie gefordert
Auch der Verband der Ersatzkassen (vdek), der Mitglied in der AIM ist, unterstützt den Vorstoß nachdrücklich. Laut der vdek-Vorstandsvorsitzenden Ulrike Elsner zeige die Studie deutlich auf, wie dringend ein neues Preisbildungsverfahren benötigt werde. Es brauche zwingend mehr Transparenz über die tatsächlichen Entwicklungskosten, um unangemessene Gewinnmargen der Pharmaindustrie zu unterbinden.
Besonders mit Blick auf aktuelle Gesetzgebungsverfahren zur Stabilisierung der Krankenkassenfinanzen wird gefordert, die Pharmaindustrie deutlich stärker in die finanzielle Verantwortung zu nehmen. Nur so ließen sich die Beitragszahler langfristig entlasten und die flächendeckende Versorgung sichern.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

