Telemedizin rettet Neugeborene: Bayern startet digitalen Notarztdienst
Wenn es bei einer Geburt zu Komplikationen kommt, entscheiden oft die ersten Minuten über das restliche Leben des Kindes. Um in genau diesen kritischen Momenten schnellstmöglich die beste medizinische Expertise bereitzustellen, geht Bayern nun neue digitale Wege. Seit Anfang Juni ist der bundesweit einzigartige Tele-Neugeborenen-Notarztdienst (TeleNNAD) im Einsatz.
Expertenhilfe in Echtzeit für ländliche Regionen
Besonders in ländlichen Gebieten verfügen viele Geburtskliniken nicht über eine eigene, rund um die Uhr besetzte Kinderintensivstation. Genau hier setzt das neue Netzwerk an. Kommt es zu einem Notfall – etwa wenn ein Säugling unter Sauerstoffmangel leidet –, können die behandelnden Ärzte vor Ort nun sofort per Video- und Tonübertragung erfahrene Neonatologen aus hochspezialisierten Zentren in den Kreißsaal zuschalten.
Laut der bayerischen Gesundheitsministerin Judith Gerlach ist dies ein bedeutender Fortschritt für die medizinische Versorgung. Spezialisierte Intensivmediziner könnten die Teams in den Geburtskliniken nun in kritischen Situationen jederzeit unmittelbar unterstützen. Dies komme insbesondere Familien im ländlichen Raum zugute, da weite Transportwege im Akutfall überbrückt werden können.
Die entscheidenden ersten zehn Minuten
Koordiniert wird das lebensrettende Projekt von der Kinderklinik Dritter Orden in Passau unter der Leitung des Ärztlichen Direktors Prof. Dr. Matthias Keller. Die medizinische Dringlichkeit des Projekts ist enorm: Laut den Experten vor Ort sind bei Komplikationen die ersten zehn Minuten nach der Entbindung absolut überlebenswichtig. Ein Sauerstoffmangel während oder kurz nach der Geburt kann zu lebenslangen schweren körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen führen. Mithilfe der modernen Telemedizin sollen die Teams im Kreißsaal nun fachlich, technisch und menschlich in diesen entscheidenden Momenten unterstützt werden, um bleibende Schäden oder gar Todesfälle zu vermeiden.
Ausbau der "Virtuellen Kinderklinik"
Aktuell sind bereits 21 Krankenhäuser an das Netzwerk angeschlossen, wobei neun hochspezialisierte Einrichtungen ihre Expertise zur Verfügung stellen. Das Angebot kann bei Interesse jederzeit von weiteren Kliniken genutzt werden. Der Tele-Neugeborenen-Notarztdienst ist dabei Teil der sogenannten "Virtuellen Kinderklinik Bayern", die bereits im Jahr 2024 ins Leben gerufen wurde, um pädiatrische Kapazitäten landesweit besser zu vernetzen und zu steuern.
- Finanzierung: Der Freistaat Bayern fördert das hochinnovative Projekt mit rund 658.000 Euro.
- Zusätzliche Unterstützung: Knapp 480.000 Euro stammen vom Verein Sternstunden e.V., der sich seit Jahren für Kinder in Not einsetzt.
- Zielsetzung: Vermeidung von Langzeitschäden durch die sofortige Zuschaltung von Spezialisten bei Geburtsnotfällen.
Mit dem Start des TeleNNAD beweist das bayerische Gesundheitswesen, wie digitale Innovationen ganz konkret Leben retten können. Für werdende Eltern im gesamten Bundesland bedeutet dies ein massives Plus an Sicherheit – unabhängig davon, wie weit die nächste spezialisierte Kinderklinik entfernt ist.
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