Krankenstand auf Rekordhoch: Warum die E-Krankschreibung nicht schuld ist

Benedikt Hübenthal
Rekordhoch bei Fehltagen: DIW-Studie widerlegt eAU-Mythos

Die Zahl der krankheitsbedingten Fehltage in Deutschland hat in den vergangenen Jahren neue Rekordwerte erreicht. Während offizielle Stellen und Krankenkassen diesen sprunghaften Anstieg oft mit der Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) im Jahr 2022 begründen, zeichnet eine aktuelle Untersuchung ein völlig anderes Bild. Laut dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist die digitale Krankmeldung keineswegs der Haupttreiber für die leeren Schreibtische und ausfallenden Schichten.

Der Mythos um die elektronische Krankschreibung

Seit die Arztpraxen den sogenannten "gelben Schein" direkt digital an die Krankenkassen übermitteln, tauchen auch Kurzzeiterkrankungen lückenlos in den offiziellen Statistiken auf. Das führte zu der weitverbreiteten Annahme, die Beschäftigten seien gar nicht öfter krank, sondern die Fälle würden lediglich besser erfasst. Doch die Forscher des DIW haben auf Basis des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) herausgefunden, dass die Fehlzeiten auch unabhängig von diesem rein statistischen Effekt massiv gestiegen sind.

Die wahren Gründe für den hohen Krankenstand

Die DIW-Studie identifiziert zwei wesentliche Faktoren, die den Arbeitsmarkt derzeit belasten:

  • Zunahme von Atemwegserkrankungen: Nach dem Ende der weitreichenden Corona-Schutzmaßnahmen grassieren Erkältungen, Grippe und andere Atemwegsinfekte wieder deutlich stärker.
  • Verändertes Verhalten im Krankheitsfall: Die Pandemie hat tiefgreifende Spuren hinterlassen. Wer heute hustet oder schnupft, bleibt eher zu Hause, um Kolleginnen und Kollegen nicht anzustecken.

Besonders auffällig ist dieser Trend bei älteren Erwerbstätigen und jenen, die sich große Sorgen um ihre eigene Gesundheit machen. Diese vulnerablen Gruppen verhalten sich heute wesentlich vorsichtiger als noch vor einigen Jahren.

Warnung vor falschen Gegenmaßnahmen

Angesichts der hohen Ausfallzeiten fordern einige Wirtschaftsvertreter bereits drastische Maßnahmen wie Lohnkürzungen bei Krankheit oder die Einführung von unbezahlten Karenztagen. Davon raten die Studienautoren des DIW jedoch dringend ab. Solche finanziellen Strafen würden lediglich den sogenannten Präsentismus fördern – also dazu führen, dass sich Menschen krank zur Arbeit schleppen und dort im schlimmsten Fall weitere Kollegen anstecken.

Teilkrankschreibung als Lösungsansatz?

Anstatt kranke Mitarbeiter abzustrafen, schlagen die Experten flexiblere Modelle vor. Eine Möglichkeit könnte die sogenannte Teilkrankschreibung sein. Bei leichten Beschwerden ließe sich so eine reduzierte Arbeitsleistung erbringen, ohne den Heilungsprozess zu gefährden. Ergänzend plädieren die Forscher für stärkere Präventionsmaßnahmen in den Betrieben, um die Gesundheit der Belegschaft nachhaltig zu schützen.

Gerade in systemrelevanten und körperlich fordernden Berufen wie der Pflege ist ein hohes Gesundheitsbewusstsein essenziell. Die Ergebnisse der DIW-Studie machen deutlich: Wenn Beschäftigte bei ansteckenden Krankheiten konsequent zu Hause bleiben, ist das kein Zeichen von mangelnder Arbeitsmoral, sondern ein wichtiger Beitrag zum Infektionsschutz am Arbeitsplatz.

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