Kreißsaal-Sterben droht: Hebammen schlagen wegen Klinikreform Alarm
Die flächendeckende Versorgung von Schwangeren und Neugeborenen gerät zunehmend unter Druck. Mit deutlichen Worten hat der Hebammenverband vor den drastischen Folgen der anstehenden Krankenhausreform und anhaltenden Sparmaßnahmen gewarnt. Wenn der wirtschaftliche Druck auf Kliniken weiter zunimmt, droht ein folgenschwerer Kahlschlag in der Geburtshilfe.
Rotstift bedroht die wohnortnahe Geburtshilfe
In den vergangenen zehn Jahren ist bereits fast ein Dutzend Kreißsäle dem Spardruck zum Opfer gefallen. Nach Ansicht von Fachleuten darf sich dieser Trend keinesfalls fortsetzen. Eine professionelle und menschliche Geburtshilfe sei kein Luxusgut, sondern ein elementarer Bestandteil der gesundheitlichen Grundversorgung sowie der präventiven Medizin.
Die Verbandsvertreter betonen, dass Hebammen Frauen in einem der verletzlichsten und gleichzeitig kraftvollsten Momente ihres Lebens begleiten. Dennoch geraten geburtshilfliche Abteilungen immer wieder ins Visier betriebswirtschaftlicher Optimierungen, da sie sich in den bestehenden Abrechnungsmodellen finanziell oft kaum tragen.
Längere Anfahrtswege und überlastetes Personal
Die Schließung weiterer Geburtsstationen hat weitreichende Konsequenzen für werdende Eltern und das medizinische Fachpersonal:
- Lange Fahrtstrecken: Schwangere müssen im Notfall immer weitere Wege bis zur nächsten Geburtsklinik zurücklegen, was das Risiko für Komplikationen erhöht.
- Überlastete Zentren: Verbleibende Kliniken geraten durch den Wegfall regionaler Stationen an ihre Kapazitätsgrenzen, was zu Engpässen in der Betreuung führt.
- Berufsausstieg von Fachkräften: Unzumutbare Arbeitsbedingungen und Personalmangel führen dazu, dass immer mehr qualifizierte Hebammen dem Beruf den Rücken kehren.
Politik in der Pflicht: Finanzierung muss neu gedacht werden
Dass gut ausgebildete Geburtshelferinnen ihren Beruf verlassen, sei kein persönliches Versagen der Beschäftigten, sondern das Resultat verfehlter politischer Rahmenbedingungen. Gute Geburtshilfe könne es nicht zum Nulltarif geben.
Um die Versorgung langfristig zu sichern, fordern Branchenvertreter eine grundlegende Neuausrichtung in der Krankenhausfinanzierung. Das Wohl von Mutter und Kind sowie der tatsächliche Versorgungsbedarf müssen bei den Reformen im Mittelpunkt stehen – und nicht rein ökonomische Kennzahlen.
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