Kritik an Förderstopp: Fachgesellschaften fordern Rettung von Cochrane
Die Pläne des Bundesgesundheitsministeriums, die finanzielle Unterstützung der Cochrane Deutschland Stiftung mit Ablauf des Jahres 2027 einzustellen, stoßen auf breiten Widerstand in der Fachwelt. Zahlreiche medizinische und gesundheitswissenschaftliche Organisationen fordern die Bundespolitik in einer gemeinsamen Resolution eindringlich dazu auf, die institutionelle Förderung langfristig abzusichern. Der geplante Rückzug des Bundes gefährde verlässliches, wissenschaftlich geprüftes Wissen, das täglich für Therapie- und Pflegeentscheidungen benötigt wird.
Alarmierende Signale für die evidenzbasierte Versorgung
In der sogenannten Göttinger Erklärung warnen Organisationen wie die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin sowie das Netzwerk Evidenzbasierte Medizin vor den Konsequenzen des Sparbeschlusses. Seit dem Jahr 2017 erhält die Stiftung eine jährliche Zuwendung von gut einer Million Euro aus dem Bundeshaushalt. Dieses Geld ermöglicht die neutrale und systematische Bündelung weltweiter Studien, ohne von wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie oder von Medizingeräteherstellern beeinflusst zu sein.
Dass ausgerechnet an der unabhängigen Wissensaufbereitung gespart werden soll, stößt auf Unverständnis. Laut den beteiligten Fachgesellschaften bildet Cochrane das unersetzliche Fundament dafür, Behandlungs- und Pflegemethoden stetig an aktuellen wissenschaftlichen Standards auszurichten. Ohne eine gesicherte Anschlussfinanzierung ab 2028 drohe ein gravierender Qualitätsverlust im gesamten Gesundheitswesen.
Warum Cochrane für die Pflegepraxis unverzichtbar ist
Auch für professionell Pflegende und therapeutische Fachberufe besitzen die Analysen von Cochrane einen zentralen Stellenwert. Pflegewissenschaftliche Leitlinien – etwa zur Vermeidung von Dekubitus, zur sachgerechten Wundversorgung, zu Sturzprophylaxen oder zum gezielten Umgang mit Mangelernährung im Alter – greifen maßgeblich auf Cochrane-Reviews zurück.
- Wissenschaftliche Orientierung: Pflegefachkräfte und Therapeuten benötigen nachweislich wirksame Verfahren, um Versorgte vor Fehlbehandlungen zu schützen.
- Schutz vor Falschinformationen: In einem Umfeld wachsender Informationsflut trennen systematische Übersichtsarbeiten belastbare Erkenntnisse verlässlich von fragwürdigen Methoden.
- Wirtschaftlicher Nutzen: Evidenzbasierte Pflege vermeidet unnötige Maßnahmen und senkt langfristig die Belastung im Versorgungsalltag.
Haushaltsgründe gegen Patientensicherheit
Das Ministerium begründet das Auslaufen der Zuwendung mit haushaltspolitischen Vorgaben und veränderten Rahmenbedingungen, betont dabei jedoch den Wert der bisherigen Stiftungsarbeit. Für die Fachverbände ist diese Haltung widersprüchlich: Die staatliche Investition von rund einer Million Euro jährlich sei gemessen am gesamten Gesundheitsbudget verschwindend gering, der gesellschaftliche und gesundheitliche Nutzen hingegen enorm. Die Verbände mahnen nun an, dass fundierte Forschungsergebnisse eine dauerhafte öffentliche Infrastruktur brauchen, um auch in Zukunft dort anzukommen, wo Menschen versorgt werden: am Krankenbett und in der Pflege.
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