Medikamenten-Chaos stoppen: Neuer Aktionsplan soll 250.000 Klinikaufenthalte verhindern

Djamal Sadaghiani
Neuer AMTS-Aktionsplan 2026 gestartet: Mehr Sicherheit bei Medikamenten

Die gleichzeitige Einnahme mehrerer Medikamente gehört für viele ältere und chronisch kranke Menschen zum Alltag. Doch was heilen und lindern soll, birgt oft unsichtbare Gefahren: Unerwünschte Wechsel- und Nebenwirkungen führen in Deutschland jährlich zu schätzungsweise 250.000 Krankenhauseinweisungen. Ein Großteil dieser Notfälle wäre vermeidbar. Genau hier setzt nun der neue Aktionsplan zur Verbesserung der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) für die Jahre 2026 bis 2029 an, dessen inhaltliche Umsetzung mit der aktuellen Auftaktsitzung der Koordinierungsgruppe offiziell gestartet ist.

Digitalisierung als Schutzschild für Patienten

Ein zentraler Hebel des neuen Aktionsplans, den das Bundeskabinett bereits Anfang April 2026 beschlossen hat, ist die konsequente Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Im Fokus stehen dabei etablierte und neue digitale Werkzeuge wie das E-Rezept und die elektronische Patientenakte (ePA), die zwingend einen umfassenden elektronischen Medikationsplan integrieren sollen.

Prof. Dr. Petra Thürmann, die Vorsitzende der Koordinierungsgruppe AMTS, sieht darin einen entscheidenden Meilenstein: Die Digitalisierung eröffne die Chance, lebenswichtige medizinische Informationen besser zu vernetzen. Dadurch könnten Risiken deutlich früher erkannt und die Sicherheit der medikamentösen Therapie im Zusammenwirken aller beteiligten Berufsgruppen gestärkt werden.

Gemeinsam gegen das Medikamenten-Risiko

Um die Patientensicherheit nachhaltig zu erhöhen, setzt der Aktionsplan auf drei strategische Säulen:

  • Transparenz durch Daten: Die systematische Nutzung von Routinedaten soll helfen, Wechselwirkungen und Fehlerquellen im Medikationsprozess schneller aufzudecken.
  • Interprofessionelle Zusammenarbeit: Ärztinnen und Ärzte, Apotheken sowie Pflegefachkräfte sollen künftig noch enger vernetzt agieren. Ein spezielles AMTS-Stewardship-Konzept sieht vor, dass die Medikation durch multiprofessionelle Teams überwacht wird.
  • Stärkung der Gesundheitskompetenz: Patienten und pflegende Angehörige sollen stärker für die Risiken einer Mehrfachmedikation (Polypharmazie) sensibilisiert werden.

Politik fordert mehr Bewusstsein für Risiken

Auch von politischer Seite wird der Dringlichkeit des Themas Nachdruck verliehen. Laut Bundesgesundheitsministerin Nina Warken bieten innovative Arzneimittel zwar immer bessere und zielgerichtetere Behandlungsoptionen, die gleichzeitige Einnahme mehrerer Präparate berge jedoch erhebliche Gefahren. Durch ein stärkeres Bewusstsein für diese Risiken und einen lückenlosen, digital gestützten Überblick über die bestehende Medikation sollen die alarmierenden Zahlen der Krankenhauseinweisungen in den kommenden Jahren drastisch gesenkt werden.

Was bedeutet das für Pflegebedürftige und Angehörige?

Für pflegende Angehörige und Pflegebedürftige bedeutet der Start des AMTS-Aktionsplans vor allem eines: Die Aussicht auf mehr Sicherheit im Alltag. Wenn Hausärzte, Fachärzte, Apotheken und Pflegedienste künftig auf denselben, stets aktuellen elektronischen Medikationsplan zugreifen können, sinkt die Gefahr von Doppelverordnungen oder gefährlichen Medikamenten-Kombinationen rapide. Der Weg zu einem sichereren und strukturierteren Medikationsprozess in der Pflege ist damit geebnet.

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