Mehr Geld für Apotheken: Kabinett beschließt höheres Honorar
Lange mussten Apothekerinnen und Apotheker in Deutschland auf diese Nachricht warten, nun ist es offiziell: Das Bundeskabinett hat eine schrittweise Erhöhung des Honorars für rezeptpflichtige Medikamente auf den Weg gebracht. Die Maßnahme soll den seit Jahren anhaltenden wirtschaftlichen Druck auf die Betriebe lindern und die flächendeckende Arzneimittelversorgung sichern.
So steigt die Vergütung im Detail
Kern der Neuregelung ist die Anpassung des sogenannten Fix-Honorars, das Apotheken pro abgegebener Packung eines verschreibungspflichtigen Medikaments erhalten. Dieser Betrag war seit 2013 unverändert geblieben. Eine entsprechende Verordnung des Wirtschaftsministeriums sieht nun einen konkreten Stufenplan vor:
- Aktuell: 8,35 Euro pro Packung
- Ab 1. Juli 2026: 9,00 Euro pro Packung
- Ab 1. Januar 2027: 9,50 Euro pro Packung
Millionenkosten für die Krankenkassen
Die Entscheidung fiel nicht ohne politische Hürden. Ursprünglich war die Erhöhung bereits im Koalitionsvertrag vereinbart worden, wurde jedoch aufgrund der angespannten Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) von Union und SPD zunächst auf Eis gelegt. Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) machte sich schließlich für eine zeitnahe Umsetzung in diesem Frühjahr stark.
Für die gesetzlichen Krankenkassen bedeutet der Beschluss eine erhebliche finanzielle Mehrbelastung. Laut offiziellen Schätzungen werden für die vollständige Anhebung auf 9,50 Euro jährliche Mehrkosten in Höhe von rund 875 Millionen Euro veranschlagt.
Kritik der Apothekerverbände: "Gefährliche Verzögerung"
Hintergrund der Honorarerhöhung ist das dramatische Apothekensterben in Deutschland. Bis Ende März dieses Jahres sank die Zahl der Vor-Ort-Apotheken auf 16.541 – das ist der niedrigste Stand seit 1977. Doch trotz der nun beschlossenen Finanzspritze zeigt sich die Branche nur bedingt zufrieden.
Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) bezeichnete den Schritt zwar als längst überfällig, übte jedoch gleichzeitig scharfe Kritik. Laut ABDA-Präsident Thomas Preis berge die lediglich schrittweise Erhöhung eine gefährliche Verzögerung bei der dringend notwendigen Stabilisierung der Apotheken. Zudem sei es unverständlich, dass die Koalition die Betriebe nur halbherzig stärke, da die positiven Effekte durch geplante Sparmaßnahmen bei den Krankenkassen teilweise wieder zunichtegemacht werden könnten.
Ob das neue Honorar ausreicht, um den Negativtrend bei den Apothekenschließungen nachhaltig zu stoppen, bleibt abzuwarten. Für den Moment bedeutet der Kabinettsbeschluss jedoch zumindest ein wichtiges Signal an eine krisengebeutelte Branche.
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