Mehr Verantwortung für Fachkräfte: Teamarbeit erobert Hausarztpraxen
Die wohnortnahe medizinische Versorgung steht vor einem tiefgreifenden Strukturwandel. Angesichts einer alternden Bevölkerung und spürbarer Engpässe bei Medizinern verändern sich die Abläufe in den Praxen grundlegend: Immer mehr Hausärztinnen und Hausärzte bewältigen den Praxisalltag nicht mehr als Einzelkämpfer, sondern stützen sich auf qualifizierte Fachkräfte an ihrer Seite. Eine Auswertung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WIdO) belegt nun eindrücklich, wie stark interprofessionelle Teams in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben.
Starker Zuwachs: Anteil binnen eines Jahrzehnts verdoppelt
Die Analyse auf Basis von Routinedaten aus den Jahren 2015 bis 2024 zeigt, dass mittlerweile in mehr als einem Drittel der deutschen Hausarztpraxen speziell geschultes, nicht-ärztliches Personal direkt in die Patientenbehandlung eingebunden ist. Dieser Anteil hat sich im untersuchten Zeitraum nahezu verdoppelt. Im Fokus der Untersuchung stehen zwei etablierte Qualifikationsmodelle:
- NäPA (Nicht-ärztliche Praxisassistenz)
- VERAH (Versorgungsassistenz in der Hausarztpraxis)
Beide Profile ermöglichen es Medizinischen Fachangestellten sowie Pflegefachpersonen, nach entsprechenden Fortbildungen eigenständige Aufgaben am Patienten zu übernehmen. Dies schafft spürbare Freiräume für Ärzte, die sich dadurch intensiver auf komplexe diagnostische und therapeutische Entscheidungen konzentrieren können.
Wichtige Stütze bei Hausbesuchen und chronischen Leiden
Das Aufgabengebiet der qualifizierten Praxisassistenten ist breit gefächert und betrifft insbesondere Routine- und Betreuungsaufgaben, die bei älteren Menschen und Pflegebedürftigen anfallen. Dazu zählen unter anderem:
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes oder Hypertonie
- Professionelle Wundversorgung und Verbandswechsel
- Eigenständig durchgeführte Haus- und Heimbesuche
- Koordination von Hilfs- und Pflegeangeboten für immobildere Patienten
Für Pflegebedürftige und deren Angehörige bringt dieser Teambasierte Ansatz handfeste Vorteile: Feste Ansprechpartnerinnen in der Praxis sorgen für eine engmaschige Betreuung, während zeitaufwendige Anfahrten zur Praxis durch Hausbesuche oft vermieden werden können.
Ländliche Regionen trotzen dem Ärztemangel
Auffällig sind die deutlichen regionalen Unterschiede bei der Verbreitung interprofessioneller Teams. Vor allem Regionen mit einer unterdurchschnittlichen Hausarztdichte greifen verstärkt auf NäPA und VERAH zurück. Bundesländer wie Sachsen-Anhalt gelten hierbei als bundesweite Vorreiter. Der akute Versorgungsdruck auf dem Land hat pragmatische Lösungen erzwungen, die nun Modellcharakter für das gesamte Gesundheitssystem haben.
Nach Einschätzung des AOK-Bundesverbandes liefern die Zahlen ein klares Signal an die Gesundheitspolitik: Pläne zur gesetzlichen Einführung einer teambasierten Primärversorgung müssen nicht bei null beginnen. Die Strukturen vor Ort existieren bereits und beweisen täglich ihre Praxistauglichkeit. Um die ambulante Versorgung langfristig abzusichern, gelte es nun, diese Kooperationen durch zeitgemäße Vergütungsmodelle und rechtliche Rahmenbedingungen flächendeckend zu stärken.
Brauchen Sie Unterstützung bei der Pflege?
PflegeHelfer24 ist Ihr verlässlicher Partner. Entdecken Sie unsere Ratgeber oder lassen Sie sich kostenlos zu Pflegehilfsmitteln, Treppenliften und Zuschüssen beraten.

