Milliarden-Entlastung: Wie Biosimilars die Kassen retten können

Benedikt Hübenthal
Biosimilars: Bis zu 41 Milliarden Euro Einsparung für die GKV

Die gesetzlichen Krankenkassen stehen unter erheblichem finanziellem Druck, doch am Horizont zeichnet sich eine deutliche Entlastungsmöglichkeit ab. Günstigere Nachahmerpräparate von biotechnologisch hergestellten Arzneimitteln, sogenannte Biosimilars, bergen das Potenzial, den Kassen bis zum Jahr 2035 Einsparungen in zweistelliger Milliardenhöhe zu bescheren. Dies geht aus einer umfassenden Modellrechnung des Wirtschaftsforschungsunternehmens Prognos im Auftrag des Branchenverbands Pro Generika hervor.

Historische Patentablaufwelle ab 2028

Hintergrund der optimistischen Prognosen ist eine Entwicklung, die Experten bereits als Zäsur bezeichnen: Ab dem Jahr 2028 laufen die Patente zahlreicher besonders umsatzstarker Biopharmazeutika aus. In der kommenden Dekade werden so viele biologische Wirkstoffe ihren Patentschutz verlieren wie niemals zuvor. Dies öffnet Herstellern von Nachfolgepräparaten das Tor zum Markt und erzeugt einen spürbaren Preiswettbewerb.

Bereits heute dominieren biologische Präparate die Arzneimittelausgaben in Deutschland. Zwölf der 25 Medikamente mit dem höchsten Umsatzvolumen in der gesetzlichen Krankenversicherung entfallen auf diese Wirkstoffklasse. Dazu gehören komplexe Therapien gegen Krebs- und Autoimmunerkrankungen, die mit jährlichen Summen im hohen dreistelligen Millionen- bis Milliardenbereich zu Buche schlagen. Wenn diese Therapien nach Ablauf des Schutzes durch wirkstoffgleiche Biosimilars ersetzt werden, sinken die Ausgaben der Solidargemeinschaft drastisch.

Drei Szenarien zeigen enorme Spannweite

Die Berechnungen verdeutlichen, wie stark das tatsächliche Sparvolumen von den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen abhängt. Bis zum Jahr 2035 könnten die gesamten Arzneimittelausgaben der Krankenkassen von gegenwärtig rund 58,5 Milliarden Euro auf annähernd 89 Milliarden Euro anwachsen. Gleichzeitig verdreifacht sich das Marktvolumen, das für Biosimilars potenziell zugänglich ist, auf gut 15 Milliarden Euro.

  • Niedrig-Szenario: Bei schleppendem Markteintritt und geringer Durchdringung verbleiben die kumulierten Einsparungen bis 2035 bei rund 3,0 Milliarden Euro.
  • Referenz-Szenario: Unter stabilen Wettbewerbsbedingungen liegt die geschätzte Ersparnis für die Kassen bei etwa 13,4 Milliarden Euro.
  • Hoch-Szenario: Gelingt ein rascher und breiter Wettbewerb vieler Anbieter, könnten die Kassen bis zu 41,3 Milliarden Euro an Ausgaben einsparen.

Wettbewerb sichern statt Einmaleffekte suchen

Die Differenz zwischen einem funktionierenden und einem stagnierenden Markt beziffern die Experten auf über 38 Milliarden Euro. Aus der Branche kommt daher der Appell, die Marktstrukturen nachhaltig zu gestalten. Kurzfristig motivierte Sparinstrumente, wie etwa exklusive Rabattverträge, könnten kleinere Anbieter vom Markt verdrängen und langfristig Monopole begünstigen.

Für Patientinnen und Patienten sowie das Pflege- und Versorgungssystem bedeutet der verstärkte Einsatz von Biosimilars gleich zweierlei: Zum einen sichert er bezahlbare Versorgungsstrukturen im Gesundheitssystem, zum anderen ermöglicht er breiteren Zugang zu modernen, hochwirksamen Therapien, ohne die Beiträge ins Unermessliche steigen zu lassen.

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