Milliarden-Kürzungen: KBV bereitet Arztpraxen auf drastische Leistungskürzungen vor

Dominik Hübenthal
Milliarden-Kürzungen: KBV hilft Praxen bei Anpassung der Leistungen

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) zieht weitreichende Konsequenzen aus den drastischen Sparmaßnahmen im Gesundheitswesen. Angesichts milliardenschwerer Einsparungen im ambulanten Sektor will die Interessenvertretung niedergelassenen Ärzten und Psychotherapeuten nun gezielt dabei helfen, ihre Praxen weiterhin wirtschaftlich zu führen. Für Patientinnen und Patienten könnte dies jedoch das Ende der gewohnten Terminverfügbarkeit bedeuten.

Arbeiten am Limit: Praxen sollen Leistungen drosseln

Hintergrund der brisanten Ankündigung ist das neue GKV-Spargesetz, das dem ambulanten Bereich im kommenden Jahr ein Minus von rund drei Milliarden Euro aufbürdet. Um die wirtschaftliche Existenz der medizinischen Einrichtungen zu sichern, kündigte KBV-Chef Dr. Andreas Gassen an, gemeinsam mit den regionalen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) umfassende Informationskampagnen für die Praxen bereitzustellen.

Das erklärte Ziel: Die Praxisorganisation soll so umgestaltet werden, dass im Jahr 2027 nur noch jene Leistungen erbracht werden, die von den Krankenkassen auch tatsächlich vergütet werden. Laut Gassen sei es für die Ärzteschaft eine immense Herausforderung, die individuellen Kürzungen zu identifizieren und sicherzustellen, dass keine unbezahlte Mehrarbeit geleistet wird. Praxen sollen nach Möglichkeit nur noch so viele Fälle planbar abarbeiten, für die eine gesicherte Finanzierung vorliegt.

Gravierende Folgen für Patienten erwartet

Diese strikte Anpassung an das stark geschrumpfte Budget wird unmittelbare und spürbare Auswirkungen auf die Patientenversorgung haben. Experten und Ärztevertreter gehen davon aus, dass die Terminverfügbarkeit in den Praxen massiv abnehmen wird.

  • Rückgang der Fallzahlen: Je nach Fachgruppe rechnet die KBV mit sieben bis 13 Prozent weniger behandelten Fällen pro Quartal.
  • Längere Wartezeiten: Patienten müssen sich auf deutlich längere Vorlaufzeiten bei der Terminvergabe einstellen.
  • Zunehmende Engpässe: Besonders in ohnehin unterversorgten ländlichen Regionen droht eine weitere Verschärfung der Lage.

Gesundheitspolitik in der Pflicht

Noch liegen keine exakten Kürzungswerte für alle Fachgruppen vor, da viele Details erst im Bewertungsausschuss verhandelt werden müssen. Sobald diese feststehen, will die KBV die entsprechenden Daten zeitnah an die Praxen weitergeben, um eine schnelle Anpassung der Terminvergabe zu ermöglichen.

Gleichzeitig richtet die ärztliche Vertretung einen unmissverständlichen Appell an die Bundespolitik. Bei der drängenden Frage, wie mit derart begrenzten finanziellen Mitteln künftig eine verlässliche medizinische Versorgung der Bevölkerung organisiert werden kann, sieht die KBV den neuen Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann in der Pflicht. Er müsse nun Lösungen präsentieren, um die drohenden Versorgungslücken abzuwenden.

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