Milliarden-Sparpaket: Warum bald 46 Millionen Arzttermine wegfallen könnten

Djamal Sadaghiani
Kassenärzte warnen: Milliarden-Sparpaket bedroht Millionen Arzttermine

Die geplante Gesundheitsreform der Bundesregierung sorgt für massiven Gegenwind aus der Ärzteschaft. Um das drohende Milliardendefizit der gesetzlichen Krankenkassen abzuwenden, hat das Bundeskabinett drastische Sparmaßnahmen auf den Weg gebracht. Doch was als finanzielle Entlastung für Beitragszahler gedacht ist, könnte für Patienten weitreichende Folgen haben: Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) schlägt Alarm und warnt vor einem beispiellosen Einbruch bei der ambulanten Versorgung.

46 Millionen Behandlungsfälle ohne Finanzierung

Die Berechnungen der KBV zeichnen ein düsteres Bild für das kommende Jahr. Sollten die Kürzungspläne in ihrer jetzigen Form umgesetzt werden, stünde die Finanzierung für bundesweit rund 46 Millionen Behandlungsfälle auf der Kippe. Besonders alarmierend ist dabei die Verteilung über die verschiedenen Facharztgruppen, die das Fundament der medizinischen Grundversorgung bilden.

Laut den Daten der KBV wären folgende Bereiche besonders stark von den Streichungen betroffen:

  • Allgemeinmedizin und hausärztliche Innere Medizin: Etwa 16,6 Millionen unbezahlte Fälle.
  • Gynäkologie und weitere Innere Medizin: Rund 4 Millionen betroffene Behandlungen.
  • Orthopädie und HNO-Heilkunde: Jeweils circa 3 Millionen Termine, die aus der Finanzierung fallen.
  • Kinder- und Jugendmedizin: Knapp 1,4 Millionen Fälle.

Das Ziel: Krankenkassenbeiträge stabilisieren

Hintergrund der umstrittenen Maßnahmen ist der Versuch der Koalition, die stetig steigenden Kosten im Gesundheitssystem in den Griff zu bekommen. Das neu auf den Weg gebrachte Sparpaket zielt darauf ab, die gesetzlichen Krankenkassen bis zum Jahr 2027 um rund 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Damit soll ein erwartetes Defizit von über 15 Milliarden Euro aufgefangen und ein weiterer drastischer Anstieg der Krankenkassenbeiträge für die Bürger verhindert werden.

Dafür plant die Regierung unter anderem Ausgabenbremsen bei Arztpraxen, Kliniken und der Pharmabranche. So sollen bei niedergelassenen Ärzten Vergütungsanstiege gedeckelt und bisherige Extra-Zahlungen gestrichen werden. Auch höhere Zuzahlungen für Medikamente sind im Gespräch.

Scharfe Kritik: "Heckenschnittartiges Spargesetz"

Die Vertreter der Ärzteschaft kritisieren die Pläne aufs Schärfste. KBV-Chef Andreas Gassen bezeichnete das Vorhaben laut Medienberichten als ein "heckenschnittartiges Spargesetz". Er machte deutlich, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen gezwungen sein werden, das ambulante Leistungsangebot massiv zu reduzieren, sollte das Gesetz den Bundestag und Bundesrat unverändert passieren.

Schon heute arbeiten viele Praxen am Limit. Die KBV betont, dass Fachärztinnen und Fachärzte bereits jetzt über 40 Millionen Termine erbringen, ohne dafür eine Vergütung zu erhalten. Die Frustration in der Ärzteschaft wächst: Würden alle Praxen aus Protest oder wirtschaftlicher Notwendigkeit nur noch die gesetzlich vorgeschriebenen Mindestsprechstunden anbieten, könnten laut KBV-Prognosen sogar bis zu 169 Millionen Behandlungsfälle komplett wegfallen.

Längere Wartezeiten für Patienten drohen

Für Pflegebedürftige, chronisch Kranke und alltägliche Patienten bedeutet diese Entwicklung vor allem eines: Die Suche nach einem Arzttermin könnte künftig noch mehr Geduld erfordern. Wenn Praxen gezwungen sind, ihr Angebot zurückzufahren, drohen deutlich längere Wartezeiten und überfüllte Wartezimmer. Ob und wie die Politik auf diese eindringlichen Warnungen der Kassenärzte reagieren wird, bleibt abzuwarten, während das Gesetz nun den parlamentarischen Prozess durchläuft.

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